Spermien
Geändert am: 06. März 2014

Schlingel mit hoher Trefferquote

Written by  menscore, Published in Spermien
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Schlingel mit hoher Trefferquote © Joschua Resnick - Fotolia.com

Spritziger Spaß im Überfluss: Bis zu drei Milliarden Spermien haben Kerle normalerweise im Sack. Doch Masse ist nicht gleich Klasse: Am Ende zählt nur das, was vorne herauskommt. Dabei sind dicke Hoden und Landluft von Vorteil.

Die Spermienqualität entscheidet über die Fruchtbarkeit

Ein Spermium ist ein kompletter Transportorganismus für genetisches Material, das in 23 Chromosomen im Zellkern enthalten ist. Das Geschlecht des Embryos, der durch die Befruchtung einer Eizelle entsteht, wird durch den Spermientyp auf dem 23. Chromosom bestimmt. Etwa die Hälfte aller Spermien trägt das männliche Y-Chromosom, die andere Hälfte das weibliche X-Chromosom.

Der Bauplan

Der tränenförmige Kopf ist 4,5 Mikrometer (tausendstel Millimeter) lang und hat einen Durchmesser von 3 Mikrometern. Er enthält einen Enzymsack, das so genannte Akrosom. Die Enzyme helfen dem Spermium, die Hülle einer Eizelle zu durchdringen, um in das Innere zu gelangen. Der zylindrisch geformte Halsteil ist 3 bis 5 Mikrometer lang und 1 Mikrometer breit. Darin sind etliche Mitochondrien untergebracht – kleine Kraftwerke, die Fruchtzucker in Energie umwandeln und die Fortbewegung gewährleisten. Das zylindrische Schwanzstück mit einem Durchmesser von 0,5 Mikrometern ist 45 bis 50 Mikrometer lang.

 

Unterm Mikroskop

Zur Betrachtung genügt ein normales Lichtmikroskop. Auf gängigen Glasplatten als Objektträgern können Sie Ihre Spermien auch einfach selbst untersuchen. Eine bessere Sicht bietet allerdings ein Phasenkontrastmikroskop - wer also so etwas zufällig zu Hause hat, kann auch mehr Details sehen.

Die Form: Zum einen sollten Spermien möglichst in Heerscharen auftreten und in ausreichender Zahl normal gebildet sein, das heißt, sie brauchen einen wohlgeformten Kopf, stattlichen Schwanz usw. – wie im richtigen Leben, halt.

Die Beweglichkeit

Besonders wichtig ist jedoch die Beweglichkeit der Spermien. Sie sollten im Interesse Ihres genetischen Fortbestehens ein genaues Ziel vor Augen haben und dieses auch gnadenlos verfolgen. Mit faul im Saft herumliegenden, lahm kriechenden, sich im Kreis drehenden, geriatrisch zitternden und pendelnden Spermien bleiben Ihre Erbanlagen im doppelten Wortsinn auf der Strecke.

Zählbarer Erfolg

Ein gesunder Mann hat zu jeder Zeit zwischen 2 und 3 Milliarden Spermien in unterschiedlichen Produktionsstadien.

Reifeprüfung

Ein Spermium braucht mehr als 2 Monate Entwicklungszeit, bis es reif für den Ernstfall ist.

Im Heimlabor

Sie können Ihr Sperma auch genauer checken – mit einem Sperma-Heimtest. Damit können Sie überprüfen, ob Ihre Spermienzahl die WHO-Fertilitätsgrenze von 20 Mio./ml übertrifft. Darüber hinaus können Sie die Lebensfähigkeit sowie den Prozentsatz unbeweglicher Spermien ermitteln. Endgültige Klarheit über die eigene Fruchtbarkeit kann dieser Test alleine jedoch nicht bieten.


 

Woher kommt das beste Sperma?

Dicke Dinger: Schauen Sie sich die Größe Ihrer Hoden an. Je größer die Produktionsstätte der Spermien, desto höher der Output. Männer mit größeren Hoden produzieren mehr Spermien – und neigen eher zu Seitensprüngen.

Bauern

Landmänner scheinen robuster zu sein als Städter: In London wurden 70 % der Männer, die sich als Samenspender beworben hatten, abgelehnt, dagegen fielen nur 40 % der Männer aus ländlichen Gegenden beim Qualitätstest durch.

Und: "In der Cryobank-München eignet sich derzeit nur ca. jeder 10. getestete Mann zum Samenspender", weiß Dr. Wolf Bleichrodt, Medizinischer Leiter der Cryobank.

Finnen - oder: das Hoch im Norden

Das letzte Mal, als europäische Männer auf die Qualität ihres Spermas getestet wurden, hatten die Finnen als beste abgeschnitten. Ganze 90 % der Männer dort produzierten Spermien von höchster Qualität.

Können Spermien knapp werden?

Sexuell aktive Männer haben nichts zu befürchten: Egal, wie verschwenderisch Sie mit den edlen Tröpfchen umgehen, sie werden nicht versiegen. Denn Ihre Hoden werden unter normalen Umständen ein Leben lang Spermien produzieren, und Ihre Drüsen werden beständig für Samenflüssigkeit sorgen.

Allerdings kann das Sperma vorübergehend knapp werden: Studenten masturbierten im Rahmen einer Untersuchung 2 Tage lang alle 8 Stunden. Ergebnis: Das durchschnittliche Volumen nahm mit jedem Ejakulat um 50 % ab, nach 2 Tagen kamen nur noch Tröpfchen. Die Studenten mussten 3 Tage enthaltsam sein, bevor sie wieder einen Teelöffel voll bekamen. Experte Dr. Wolf Bleichrodt empfiehlt 4-mal Sex pro Woche, egal ob allein oder zu zweit. Das erhöhe Anzahl und Qualität der Spermien, so der Experte.

Befruchten oder nicht befruchten?

Der britische Entwicklungsbiologe Robin Baker will eine ganz andere Ursache für die geringe Zahl befruchtungsfähiger Spermien entdeckt haben. Nur ein Prozent der Spermien sei überhaupt für die Befruchtung bestimmt, lautet seine These. Die anderen Samenzellen fungieren als Begleitschutz gegen Konkurrenz vom Nebenbuhler, schreibt Baker in seinem Buch «Krieg der Spermien».

"Interessant ist auch, dass eine hohe Dichte von Spermien erst dafür sorgt, die Wand der Eizelle enzymatisch aufzuschließen um dann den Einlass für ein cleveres und genetisch gutes Spermium zu ermöglichen", so der Experte Bleichrodt von der Cryobank München.

Krieg der Spermien

Bakers Erkenntnisse fußen auf 7-jährigen Forschungen an der Universität von Manchester. Nachdem er die Samenergüsse zahlloser Männer dokumentiert und im Forschungslabor das komplizierte Zusammenspiel von Spermien verschiedener Herkunft in der Vagina analysiert hatte, war für ihn klar: Trägt eine Frau Samenzellen mehrerer Männer in sich, wird ihre Vagina zum Tummelplatz eines genetischen Ausleseprozesses. Ziel des Gemetzels sei es, den Nachwuchs mit optimalen Erbanlagen auszustatten. Bakers Fazit: «Frauen sind in ihrem Innersten darauf programmiert, sich aus einem breiten Angebot an genetischem Material das Beste auszusuchen.» Etwa zehn Prozent aller Kinder, folgert Baker, hätten einen anderen biologischen Vater als angenommen.

 

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