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Geändert am: 21. Januar 2018

Weniger Beschneidungen

Written by menscore Published in Allgemeines
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Weniger Beschneidungen © Whyona - Fotolia.com

Erwachsene Männer lassen eine Zirkumzision meist aus medizinischen Gründen vornehmen. Aber auch religiöse, hygienische und ästhetische Gründe können eine Rolle spielen. Die rituelle Beschneidung spielt im westlichen Kulturkreis keine bedeutende Rolle, wird jedoch von vielen in Deutschland lebenden Juden und Muslimen praktiziert.

Da medizinisch nicht indizierte Beschneidungen strafrechtlich eine Körperverletzung darstellen, bestand ein besonderes Bedürfnis nach Rechtssicherheit, denn dem Recht auf ungestörte Religionsausübung der Eltern ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes gegenüberzustellen.

Im Jahr 2012 wurde daher durch den Bundestag ein Gesetz zur rituellen Beschneidung von Jungen jüdischen und muslimischen Glaubens beschlossen. Das Gesetz spricht den Eltern das Recht zu, ihre Söhne schon kurz nach der Geburt beschneiden zu lassen, wenn bestimmte Standards eingehalten werden. Genauer gesagt wurde hierdurch die medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des männlichen Kindes erlaubt, das noch nicht einsichts- und urteilsfähig ist. Erlaubt soweit auch nur, wenn der Eingriff nach allen Regeln der ärztlichen Kunst entsprechend durchgeführt wird.

Zahl der Beschneidungen nimmt ab

Ein Kinderchirurg vom Universitätsklinikum Düsseldorf, sagt, dass die Gesetzesänderung wohl dazu geführt hat, dass ein solcher Eingriff kritischer reflektiert wird. Dies sagen zumindest die Zahlen am Klinikum aus. So wurden von 2011 bis ins Jahr 2014 durchschnittlich 200 Eingriffe im Jahr durchgeführt, während es 2015 nur noch 30 waren und ein Jahr später nur noch 15. Generell scheint das Thema der Beschneidung auch in der deutschen Fachliteratur nur eine untergeordnete Rolle zu spielen, entsprechende Publikationen sucht man meist vergeblich.

Gründe für die Beschneidung

Eine Beschneidung kann medizinisch indiziert sein. Etwa dann, wenn eine Vorhautverengung vorliegt. In diesem Fall können Probleme beim Geschlechtsverkehr auftreten, oder der Betroffene leidet unter Komplikationen bei der Harnentleerung. Als weiterer Grund für die Beschneidung wird auch oft angeführt, das Risiko zu senken, sich mit einer Geschlechtskrankheit anzustecken oder sich ein Peniskarzinom zuzuziehen.

Auch durch die Weltgesundheitsorganisation wird seit 2007 eine umfassende Initiative in Afrika betrieben, um die Beschneidung kleiner Jungen voranzutreiben. Ziel ist es, vorbeugend gegenüber einer HIV-Ansteckung zu wirken. Gleichzeitig wird durch die WHO empfohlen, auch nach dem Eingriff weiterhin Kondome beim Geschlechtsverkehr zu nutzen. Die Kampagne der WHO wurde teilweise sehr kritisiert. U. a. wurde der Organisation vorgeworfen, keine ausreichende medizinische Nachsorge zu bieten und auch nur eine unvollständige Aufklärung zu betreiben, was die Notwendigkeit zusätzlicher Verhütung betrifft. Wenn überhaupt ein Schutz vor einer Ansteckung gegeben sei, dann allenfalls für den Mann, aber nicht für die Frau.

Der Mediziner sieht das Vorgehen der Weltgesundheitsorganisation daher ebenfalls entsprechend kritisch. Für ihn gibt es medizinisch gesehen keinen echten Grund, einen Jungen schon vor der Pubertät, oder sogar noch früher, vor Geschlechtskrankheiten zu schützen. Darüber hinaus sind beschnittene Männer immer noch einem 40-prozentigen Restrisiko ausgesetzt, sich doch mit HIV anstecken zu können.

Auswirkungen auf das sexuelle Empfinden sind umstritten

Eindeutig festlegen will man sich auch nicht, was die Auswirkungen einer Beschneidung auf das spätere sexuelle Lustempfinden angeht. Dass beschnittene Männer mehr Lust empfinden können als unbeschnittene Männer, wird als Mythos angesehen. Für den Mediziner jedoch bedeutet eine Beschneidung, den Mann in gewissem Maße zu unempfindlicher zu machen. Laut ihm befinden sich in der Vorhaut zahlreiche Nerven und es sei nicht nachvollziehbar, hier einen Eingriff vorzunehmen.

Irreversible Veränderungen des Körpers

Ein generelles Verbot von medizinisch nicht indizierten Beschneidungen sieht Dr. Eckert als wenig sinnvoll an. Hierzu sei das Ritual zu fest verankert in einigen Kulturen. Dennoch wertet er das Recht auf die körperliche Unversehrtheit höher als das der Religionsfreiheit der Eltern. Diese Meinung teilt auch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKJ). In einer von ihr herausgegebenen Pressemitteilung heißt es, dass es durch Beschneidungen zu irreversiblen körperlichen Veränderungen kommt. Dies sei bei minderjährigen Jungen nicht mit dem Schutz der Gesundheit und des Kindeswohls vereinbar.

Letztlich wird nur ein offener und öffentlicher Diskurs helfen, der den Blick aller Beteiligten auf das Thema verändern kann. Nur so würden sich auch Eltern, die fest an dieser religiösen Tradition festhalten wollen, mit anderen Standpunkten befassen können.

 

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