Sex
Geändert am: 29. September 2014

Sex-Talk: Schatz, ich flüster' Dir was

Written by  Inka Steyn, Published in Sex
 
Attraktives Paar in sinnlicher Pose © kiuikson - Fotolia.com

In deutschen Betten herrscht Schweigen. In Ihrem auch? Wir haben die besten Tipps zusammengetragen, wie Sie Ihrer Liebsten Ihre Fantasien mitteilen und sie dafür begeistern können. 

Über Sex zu reden ist einfach, so scheint’s:

Ex-Pornostars bekennen sich öffentlich zu Swinger-Partys. In Talkshows plaudern bereits Teenager über bevorzugte Stellungen und im Radio informiert ein Anrufer den Moderator, dass er nur mit Frauen über 70 Orgasmen erlebt. Doch der Exhibitionismus in den Medien täuscht, im Privaten steht ihm oft ein großes Schweigen gegenüber. In deutschen Betten wird zwar – statistisch gesehen – zwei Mal die Woche Sex praktiziert. Darüber gesprochen wird selten. Klar, solange alles in Butter ist, tut das nicht Not. Doch spätestens, wenn elementare Sehnsüchte auf Dauer unerfüllt bleiben oder man die anfangs aufregenden Rollenspiele mittlerweile stinklangweilig findet, wäre es besser, ein paar Worte zu wechseln, anstatt schweigend weiterzumachen wie bisher.

Offene Türen

Die Chancen stehen gut, dass Sie damit offene Türen einrennen: Gerade Frauen tun sich schwer, das Thema Sexualität anzuschneiden. Laut einer repräsentativen Umfrage des Gewis-Instituts haben 56 Prozent aller Frauen zwischen 18 und 60 Probleme damit, ihrem Ehemann oder Freund gegenüber sexuelle Wünsche zu äußern, 37 Prozent quälen sich mit Zweifeln, ob sie ihren Liebsten befriedigen können. Einfach mal nachfragen? Bloß nicht, denken die Damen: Was, wenn er sich angegriffen fühlt, weil ich plötzlich an (vermeintlich) ,heiligen’ Schlafzimmer-Ritualen rühre? Wird er den Respekt verlieren, weil ich gern Analverkehr ausprobieren will? Oder genervt sein, weil ich mal ausgiebig massiert werden möchte, wo er doch nach dem Job immer so erledigt wirkt? Und überhaupt, ließe sich denn wirklich etwas ändern?

Dabei probieren viele Frauen im Bett gerne etwas Neues aus, und Paartherapeuten versichern, dass sich selbst in Langzeitbeziehungen ein eingefahrenes Sexualprogramm aufpeppen lässt – Fingerspitzengefühl vorausgesetzt.

Der Berliner Psychologe Dr. Frank Naumann, Autor des Leitfadens „Die Kunst der Sympathie“ (Rororo) warnt zunächst vor einem häufigen Fehler: „Wer mit ,Schatz, wir müssen reden’ oder Ähnlichem beginnt, sorgt nur dafür, dass bei der Partnerin alle Alarmglocken schrillen und die sich zur Abwehr bereit macht.“ Dabei wird ja gern mal empfohlen, man müsse lediglich seine Bedürfnisse einmal klar äußern. Aber Forderungen im sexuellen Bereich führen schnell dazu, dass die Partnerin sich überfordert fühlt und glaubt, nicht (mehr) gut genug zu sein. Das führt zu Unlust, schlimmstenfalls zu Libidoproblemen oder gar zum Ausbruch aus der Beziehung – genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden sollte.


 

 

Was Experten empfehlen

Experten empfehlen stattdessen: Die Partnerin in entspannter und möglichst sinnlicher Atmosphäre – vielleicht nach dem gemeinsamen Saunabad oder beim Strandspaziergang im Urlaub – fragen, was sie eigentlich gern mal ausprobieren möchte. Dann ist es ratsam, nicht sofort mit den eigenen Ideen herausplatzen, sondern erst mal interessiert zuhören. Nur auf diese Weise entsteht jene kommunikative Geborgenheit, in der beide ohne Ängste über das vermeintlich heiße Eisen plauschen können. Arne Hoffmann, Verfasser des Ratgebers „50 einfache Dinge, die Männer über Sex wissen sollten“ (Westend): „Wichtig ist, dass Sie Ihre Wünsche an Gegenwart und Zukunft orientieren, statt länger als nötig an Enttäuschungen kleben zu bleiben, die in der Vergangenheit liegen.“ Also konstruktiv konkrete Vorschläge machen.

Das alles braucht freilich Zeit – und zwar gemeinsam verbrachte Zeit. Hier liegt meistens das Hauptproblem, denn die Sprachlosigkeit ist eng verwandt mit einem soziologischen Phänomen: der allgemeinen Lustlosigkeit. Frank Naumann: „Die Menschen fühlen sich erschöpfter als früher, auch zu erschöpft für Sex. Dabei haben sich biologisch gesehen die sexuellen Bedürfnisse nicht verändert – und die Deutschen haben gegenüber den 60er Jahren sogar über eine halbe Stunde mehr freie Zeit pro Tag zur Verfügung.“ In diesen 30 Minuten, dreieinhalb Stunden jede Woche, lässt sich eine Menge besprechen – oder lustvoll in die Tat umsetzen. Abhilfe schafft nur eine Entschlackung des Freizeit-Filofax, manchmal tut’s schon eine Verabredung weniger und der Tenniskurs neben dem Fitnesstraining muss es vielleicht nicht auch noch sein. Die gewonnene Zeit wird gefüllt mit Zweisamkeit. Die muss nicht zwingend mit Sex – oder dem Reden darüber – zu tun haben, kommt dem aber indirekt zugute: Gemeinsame Aktivitäten stärken das Wir-Gefühl und bringen jede Menge Gesprächsstoff. Da fällt es kaum auf, wenn nebenbei mal über die Anschaffung eines Vibrators geplaudert wird. Und wer glaubt, unbedingt doch noch den Tenniskurs machen zu müssen, sollte das einfach mit der Liebsten tun – und anschließend vielleicht noch einen Saunagang einschieben...

 

 

 

 

Tipps & Tricks:

Traum-Trick: Super, um auch „heikle“ sexuelle Wünsche „durch die Blume“ an die Frau zu bringen. Erzählen Sie von einem erotischen Traum, in dem das vorkam, was Sie sich wünschen („Uiuiui, was ich heut Nacht geträumt hab...“). Sie merken sofort, ob sie der Sache aufgeschlossen gegenübersteht – und vielleicht macht sie sich ja direkt ans Werk...

Ohne Worte Wenn Sie – zum Beispiel – vor dem Sex gerne oral “angewärmt” werden möchten, ist es ratsam, mit Ihrer Partnerin genau das zu tun. Die Chance, dass sie sich revanchiert, ist groß!

Augen auf! Halten Sie nach Gesprächsaufhängern Ausschau. Nach dem TV-Film, in dem ein Paar im Grünen zur Sache kam, lässt es sich z.B. unverfänglich über Sex im Freien plaudern. Achtung: Vermeiden Sie den Holzhammer. Der Sex-Ratgeber auf dem Nachttisch macht Druck. Besser: Allgemein erotisch angehauchte Literatur, z.B. Anaïs Nin (können Sie sich auch schenken lassen).

Lob statt Tadel Loben Sie sexuelle Verhaltensweisen an Ihrer Partnerin, die Sie mögen und bieten Sie Alternativen: „Ich liebe es, wie du es mir mit dem Mund machst! Was hältst du davon, wenn wir es gleich mal ,ganz hinten’ ausprobieren, das flutscht bestimmt gut."

Gesprächskultur Wer es gewohnt ist, von Adornos Theorien bis zur Altglasentsorgung alles offen miteinander zu diskutieren, dem fällt es auch leicht(er), über Sex zu sprechen. Nehmen Sie sich täglich Zeit für das allgemeine Gespräch mit Ihrer Partnerin, das schafft zudem Vertrauen und das wirkt sich positiv auf den Sex aus.

Wer nicht fragt... Fragen Sie Ihre Partnerin z.B. am Sonntagmorgen im Bett nach offenen Wünschen. Hören Sie aktiv zu und fallen Sie ihr nicht ins Wort. Wichtig: Urteilen Sie nichts (!) von vornherein ab, auch wenn Sie nicht begeistert sind. So müssen auch Sie keine Angst haben, Intimes zu äußern.

 
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