Beziehung
Geändert am: 05. Januar 2017

Frauen, die nicht wollen, können oft nicht

Written by  menscore, Published in Beziehung
 
Frauen, die nicht wollen, können oft nicht © Syda Productions - Fotolia.com

Ihre Liebste hat keine Lust auf Sex? Vielleicht ist es weniger eine Frage des Wollens als eine des Könnens. Denn nicht nur Männer können unter sexuellen Funktionsstörungen leiden, auch bei Frauen sind Sexualstörungen verbreitet. Aber ein informierter Partner kann helfen, das Problem zu lösen – damit es nicht mehr heißt: „Heute nicht, Schatz“.

Immerhin 43 Prozent der Frauen berichten, schon einmal unter einem gewissen Grad an sexueller Dysfunktion gelitten zu haben. Dennoch ist es auch Frauen unangenehm, über dieses Thema zu sprechen. Dabei sind viele Sexualstörungen durchaus behandelbar. Voraussetzung dafür ist jedoch ein offener Umgang mit dem Problem. 

Gründe für weibliche Sexualstörungen

Die Gründe für weibliche Sexualstörungen können sowohl physischer wie auch psychischer Natur sein. Zu erster Gruppe können gesundheitliche Probleme wie u. a. Diabetes, neurologische Erkrankungen, Herzkrankheiten oder auch ein hormonelles Ungleichgewicht gehören. Aber auch die Wechseljahre sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch können dazu beitragen, dass Frauen unter sexuellen Störungen leiden. Negativ beeinflussen lässt sich das Sexualleben auch durch bestimmte Medikamente, hierzu gehören vor allem einige Antidepressiva. Daneben können zahlreiche psychische Ursachen zu einer Beeinflussung von Lust und Empfinden während des Sex führen. Stress im Job oder in der Beziehung wird meist sprichwörtlich mit ins Bett genommen. Auch Depressionen, Angst sowie ein früher erlebtes sexuelles Trauma bzw. negative Erfahrung in diesem Bereich fördern Sexualstörungen bei Frauen.

Sexuelle Routine killt die Lust

Die am häufigsten festzustellende Sexualstörung bei Frauen ist das mangelnde Interesse an Sex. Das sexuelle Verlangen und das Interesse an Sex können aus verschiedenen Gründen nachlassen. Dazu gehören medizinische Behandlungen wie beispielsweise Chemotherapien, hormonelle Veränderungen, Schwangerschaft, Stress, Depressionen oder auch eine sich einstellende sexuelle Routine, die die Lust schwinden lässt. Auch Frauen, die ganz in ihrer Mutterrolle aufgehen und die Betreuung der Kinder als Priorität ansehen, leiden meist an einem geringeren sexuellen Verlangen. 

Weiterhin weit verbreitet sind Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erleben oder überhaupt Erregung zu empfinden. Die mangelnde Fähigkeit erregt zu werden, hängt oftmals mit einer unzureichenden Vaginalfeuchtigkeit zusammen. Dies wiederum kann an einer unzureichenden Stimulation, aber auch an Angstgefühlen liegen. 

Kommt es hingegen zu keinem Orgasmus, kann dafür eine sexuelle Hemmung oder auch Unerfahrenheit der Grund sein. Aber auch negative Erfahrungen in der Vergangenheit, wie zum Beispiel Missbrauch, können einer Frau die Fähigkeit nehmen, einen Orgasmus zu empfinden. Dasselbe gilt aber auch bei einer unzureichenden Stimulation durch den Partner oder bei der Einnahme bestimmter Medikamente, die sich negativ auf die Orgasmusfähigkeit auswirken. 

Und nicht zuletzt leiden nicht wenige Frauen auch an Schmerzen bzw. unangenehmen Empfindungen beim Geschlechtsverkehr. Physische Gründe wie Zysten oder Narbengewebe nach einer Operation sind mögliche Ursachen für das Unwohlsein. Das Schmerzempfinden kann aber auch im Kopf ausgelöst werden. Wird bereits befürchtet, dass die Penetration mit Schmerzen einhergehen kann, kann es zu einem Muskelkrampf kommen, wodurch sich die vaginale Öffnung verengt und erst recht zu Schmerzen führt.

Diagnose weiblicher Sexualstörungen

Frauen, die sich aufgrund von Problemen mit ihrem Sexualleben an einen Arzt wenden, werden zunächst einer körperlichen Untersuchung unterzogen. Der Arzt wird zudem eine umfassende Beurteilung der Symptome vornehmen. Eine Beckenuntersuchung kann hier ebenso zur Untersuchung gehören wie ein Blick auf mögliche Zellveränderungen des Gebärmutterhalses. Der Frauenarzt wird im konkreten Fall genau entscheiden, welche Untersuchungen angebracht sind. Wichtig ist, dass die Patientin offen über ihre Beschwerden spricht. Scham und Angst sollten hier keine Rolle spielen.

Behandlung von sexuellen Dysfunktionen bei Frauen

Im besten Fall arbeiten Patientin, Arzt und ausgebildete Therapeuten zusammen, um eine effektive Behandlung der Sexualstörung umsetzen zu können. Viele Arten von sexuellen Problemen lassen sich behandeln, indem die zugrunde liegenden physischen und psychischen Probleme aus der Welt geschafft werden. 

Weitere Behandlungsstrategien können u. a. in einer weiterführenden Aufklärung oder auch in einer verbesserten Stimulation liegen. Wissen die Frau und ihr Partner besser über die menschliche Anatomie, die körperlichen Veränderungen im Alter und über sexuelle Verhaltensweisen Bescheid, kann dies dabei helfen, Ängste und Unsicherheiten zu überwinden, die zuvor zu Hemmungen geführt haben. 

Ist eine gesteigerte Stimulation angestrebt, kann dies auf verschiedene Arten geschehen. Erotische Bücher oder Filme können zu Hilfe genommen werden. Auch ein Ausbruch aus der sexuellen Routine kann dabei helfen, wieder neue Lust zu empfinden und den Geschlechtsverkehr zu genießen. Frauen sollten auch das Thema Selbstbefriedigung in Erwägung ziehen, um mehr über ihren Körper und die eigenen Bedürfnisse zu erfahren. Zudem muss es gar nicht immer zwingend zum Geschlechtsverkehr kommen. Wer eine intensive Zeit genießen möchte, kann es auch mit einer erotischen, sinnlichen Massage versuchen. 

Sollte die Frau unter Schmerzen beim Verkehr leiden, können Gleitmittel eine Lösung darstellen. Zudem hilft ein warmes Bad dabei, sich besser zu entspannen. Sinnvoll kann es weiterhin sein, die Partnerin die Stellung wählen zu lassen. So kann sie selbst kontrollieren, wie tief die Penetration ausfällt.

Die Heilungschancen für Sexualstörungen

Der Behandlungserfolg bei sexueller Dysfunktion hängt maßgeblich von der zugrunde liegenden Ursache des Problems ab. Ist die körperliche Verfassung behandelbar, sind auch die Aussichten für eine Heilung der Sexualstörung gut. So kann es etwa bei einer Dysfunktion, die im Zusammenhang mit Stress oder Angst geht schon helfen, die Kommunikation mit dem Partner zu verbessern oder eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.

Sexuelle Dysfunktion und weibliche Hormone

Für die weibliche Sexualität spielen Hormone eine zentrale Rolle. Fortschreitendes Alter sowie die Menopause sorgen für einen geringeren Östrogen-Pegel. Daher ändert sich auch das Sexualverhalten, u. a. zeigt sich dies in einer geringeren vaginalen Befeuchtung. Forscher sind noch dabei herauszufinden, wie sich Hormone und Medikamente auf die Behandlung von weiblichen Sexualstörungen auswirken können. 

Die Menopause führt oftmals zudem zu emotionalen Veränderungen, die wiederum zu einem verminderten sexuellen Interesse führen können oder die Fähigkeit, Erregung zu empfinden, einschränken. Gleitmittel oder eine Hormonersatztherapie können hier unter Umständen helfen. 

Im Übrigen lässt sich sagen, dass bei Frauen in postmenopausalen Phase eine Zunahme der sexuellen Befriedigung feststellbar sein kann. Dies kann daran liegen, dass Frauen keine Angst mehr vor einer Schwangerschaft haben müssen. Zudem nehmen in dieser Lebensphase die Verantwortlichkeiten gegenüber den Kindern ab, wodurch sich viele Frauen besser entspannen und die Intimität mit ihrem Partner wieder verstärkt genießen können.