Prostatavergrößerung
Geändert am: 11. Juli 2016

Prostatavergrößerung – gutartig aber lästig

Written by  menscore, Published in Prostatavergrößerung
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Prostatavergrößerung – gutartig aber lästig © Alexandr Mitiuc - Fotolia.com

Mit zunehmendem Alter wächst die Prostata. Ist dieser Vorgang gutartig, wird er benigne Prostatahyperplasie (BPH) genannt. Die Drüse beginnt zwar schon ab 30 zu wachsen, Beschwerden macht sie aber vor allem bei Männern ab 60.

 

Mehr als die Hälfte der Männer ab 60 Jahren leidet unter einer gutartigen Prostatavergrößerung. Bei aller Lästigkeit ist BPH jedoch nicht mit Krebs zu verwechseln und stellt auch keine Vorstufe von Prostatakrebs dar. Allerdings sind die Symptome teilweise sehr ähnlich, weshalb die Diagnose immer von einem Urologen gestellt werden muss.

 

So kann sich BPH bemerkbar machen

Nicht jeder der betroffenen Männer weist Symptome auf. Doch wenn sich die Vergrößerung des Drüsengewebes, das sich zwischen Harnröhre und Prostata befindet, bemerkbar macht, treten oft verschiedene Beschwerden auf. Hierzu gehört vor allem ein häufiger Harndrang, der sich insbesondere auch nachts einstellt (Letzteres wird medizinisch Nykturie genannt). Ein regelmäßiger Schlafrhythmus kann hierunter deutlich leiden. Das Gefühl, häufiger auf Toilette zu müssen rührt daher, dass die nun wachsende Prostata auf die Harnröhre drückt. Für die Blasenmuskulatur wird es bei BPH zunehmend schwerer, den Harn durch die nun immer fester umschlossene, gewissermaßen „strangulierte“ Harnröhre zu pressen. Daher zieht sich die Blase auch schon dann zusammen, wenn sich nur wenig Urin in ihr befindet. Dies resultiert in häufigeren Toilettengängen.

Auch das Urinieren an sich kann schwieriger werden. Der Harnstrahl kann sich sowohl abschwächen als auch immer wieder abbrechen während die Blase entleert wird. Auch kann es zu Verzögerungen kommen, bis der Harnstrahl überhaupt einsetzt. Tut er dies schließlich, kann das Entleeren der Blase länger dauern. Manchmal tropft etwas Urin nach oder der Betroffene hat das Gefühl, die Blase sei noch nicht wirklich vollständig entleert, obwohl das Urinieren beendet ist. All dies hängt damit zusammen, dass die Blasenmuskulatur stärker arbeiten muss, um den Urin durch die verengte Harnröhre zu bekommen. Dies kann auch so weit reichen, dass der Betroffene gar nicht mehr in der Lage ist, Wasser zu lassen. Neben einer verengten Harnröhre kann das auch zu einer Blaseninfektion führen aber auch zu einem Aufstauen des Harns bis hinauf in die Nieren. Sollte man als Betroffener feststellen, dass das Urinieren nicht mehr möglich, ist man dringend angeraten, sich an einen Arzt zu wenden, um einer Nierenschädigung vorzubeugen.

Eine typische Erkrankung des älteren Mannes

Die meiste Zeit des Lebens wächst die Prostata des Mannes, beginnend bereits in der Pubertät. Bemerkbar macht sich diese Veränderung jedoch erst mit zunehmendem Alter, ab etwa 40 Jahren, und richtig lästig wird sie ab ungefähr 60 Jahren. Statistisch gesehen haben 90 Prozent der Männer im Alter von 85 Jahren bereits einmal selbst Symptome einer vergrößerten Prostata gehabt. Dabei ist es bis heute nur teilweise geklärt, wieso die Vorgänge einer BPH genau ausgelöst werden. Als gesichert gilt bisher, dass der altersbedingte Rückgang des männlichen Sexualhormons Testosteron für das Wachstum der Drüsen mit ursächlich ist.

Lieber einmal zu früh den Arzt konsultiert, als zu spät

Da man selbst als Betroffener nur schwer ausschließen kann, ob die Symptome nicht auf anderen, eventuell schwerwiegenderen, Ursachen beruhen, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, wenn es zu Beschwerden beim Wasserlassen kommt und sich das Verhalten beim Wasserlassen verändert. In erster Linie muss hier u. a. festgestellt werden, dass kein Prostatakrebs vorliegt. Nicht jeder Mann muss indes aber die typischen Symptome aufweisen. Zur ärztlichen Untersuchung gehört u. a. eine digitale rektale Untersuchung, um eine Vergrößerung der Prostata oder andere Unregelmäßigkeiten festzustellen,  Labortests von Blut und Urin sowie der rektale Ultraschall.

Ob letztlich tatsächlich eine Behandlung notwendig ist, hängt maßgeblich von den Symptomen ab. Spätestens jedoch, wenn die Lebensqualität eingeschränkt wird, sollte eine Behandlung durch Medikamente oder sogar eine Operation in Betracht gezogen werden. Bei keinen bis geringen Symptomen wird der Arzt sich dazu entscheiden, den Zustand des Betroffenen zu überwachen, was regelmäßige Arztbesuche umfasst. Tritt keine Verschlechterung ein, muss nicht zwangsläufig eine Behandlung erfolgen. Bei leichten Beschwerden können freiverkäufliche pflanzliche Mittel ausprobiert werden. Sollten hingegen Medikamente in Frage kommen, können Alpha-1-Blocker weiterhelfen, die vom Arzt verschrieben werden müssen. Andere verschreibungspflichtige Medikamente enthalten so genannte 5-alpha-Reduktase-Hemmer,  Wirkstoffe, die die Muskulatur von Blase und Prostata entspannen und damit einen freieren Harnfluss fördern. Vor der Einnahme dieser Medikamente sollten die Nebenwirkungen (u. a. ein reduzierter Sexualtrieb) jedoch mit dem Arzt besprochen werden.

Generell ist es möglich, dass es auch bei schwerwiegenden Symptomen von BPH zu Erektionsstörungen kommen kann. Bestimmte Medikamente können diese Probleme noch verstärken. Manchmal hilft hier bereits eine Änderung der Medikation. Verschiedene Medikamente können nach Rücksprache mit dem Arzt auch durchaus miteinander kombiniert werden. Möglich sind zudem auch ambulante Eingriffe, mit denen überschüssiges Gewebe der Prostata entfernt wird, um die Behinderung der Harnröhre zu mindern. Zu dieser Art von Eingriffen gehören u. a. die Radiofrequenzablation sowie die transurethrale Mikrowellentherapie. Ist eine Operation unvermeidbar, wird meist eine transurethrale Resektion unter Vollnarkose durchgeführt, bei der ein Instrument durch die Harnröhre eingeführt wird, um Teile der vergrößerten Prostata zu entfernen. Für welche Maßnahme man sich in Absprache mit seinem Arzt auch entscheidet, wichtig ist es, zunächst eine Untersuchung durchführen zu lassen, wenn störende Symptome auftreten.

Was Betroffene selbst tun können

Eine Veränderung des persönlichen Lebensstils kann dazu beitragen, besser mit den Symptomen von BPH zu leben. Dies fängt bei der Reduzierung von Alkohol und Koffein an, reicht über das Vermeiden von Antihistaminika und endet noch nicht beim Trinken von vielen kleineren Flüssigkeitsmengen statt wenigen großen auf einmal. Auch sollte man nach dem erstmaligen Entleeren der Blase kurz warten und dann ein weiteres Mal versuchen, Wasser zu lassen. 

Da die Einnahme von Antidepressiva, Anti-Allergiemitteln (Antihistaminika), Opiaten und „Wassertabletten“ (Diuretika) die Beschwerden auslösen oder verschlimmern können, sollten Betroffene dem Urologen von der Einnahme berichten, damit gemeinsam nach Ersatzmedikamenten gesucht werden kann, die keine oder weniger Auswirkungen auf die Prostata haben.  

 

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