Prostatakrebs
Geändert am: 17. November 2016

Prostatakrebs - das sollte man wissen

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Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Prostatakrebs - das sollte man wissen © Henrie - Fotolia.com

Prostatakrebs kann sehr unterschiedlich verlaufen. Der Krebs breitet sich meist sehr langsam aus, ohne signifikante körperliche Beschwerden zu machen. Es gibt jedoch auch Krebsarten, die sehr aggressiv sind und sich ohne entsprechende Behandlung schnell ausbreiten. Was man über den häufigsten Krebs des Mannes wissen sollte.

Nicht immer ist es Prostatakrebs 

Männer sollten in jedem Fall sensibel gegenüber möglichen Symptomen sein. Dazu gehören u. a. häufiges Wasserlassen vor allem in der Nacht, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, Blut im Urin oder im Sperma. Auch ein schmerzhaftes oder brennendes Empfinden beim Wasserlassen oder bei der Ejakulation kann ein Warnsignal sein. Befindet sich der Krebs im fortgeschrittenen Stadium, kann es auch zu starken Schmerzen im unteren Rücken, an den Hüften oder den Oberschenkeln kommen.

Manche der genannten Symptome müssen jedoch nicht unbedingt auf Prostatakrebs hinweisen. Auch eine vergrößerte Prostata kann sehr ähnliche Beschwerden verursachen. Im Laufe des Lebens eines Mannes vergrößert sich die Prostata, was ein natürlicher Vorgang ist. Im vergrößerten Zustand drückt sie auf die Blase oder die Harnröhre. Die Symptome können für den Betroffenen sehr störend sein, der Zustand lässt sich jedoch behandeln.

Risikofaktor Alter

Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für Prostatakrebs. Vor allem Männer über 50 sehen sich hier einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Da sich der Alterungsprozess nicht aufhalten lässt, ist es umso wichtiger, Symptome ernst zu nehmen und bei ihrem Auftreten einen Arzt aufzusuchen. Dies gilt umso mehr, wenn bereits Familienmitglieder an Prostatakrebs erkrankt sind. In diesem Fall ist das Risiko einer Erkrankung gleich doppelt so hoch. Was jeder Mann jedoch durchaus selbst beeinflussen kann, ist seine Ernährung. Viel Fleisch und fettreiche Milchprodukte können eine Rolle bei der Entwicklung von Prostatakrebs spielen.  Vor allem tierisches Fett kann den männlichen Hormonspiegel nach oben treiben. Und das kann wiederum das Wachstum von Krebszellen in der Prostata begünstigen. Früchte und Gemüse sollten in jedem Fall einen festen Platz auf dem Speiseplan haben.

Früherkennungsuntersuchung wahrnehmen

Es gibt Screening-Tests, die ein frühes Erkennen von Prostatakrebs ermöglichen. Wird jedoch eine Krebsart gefunden, die sich sehr langsam entwickelt, kann eine medizinische Behandlung unter Umständen keinen Nutzen bringen. Zudem können die Behandlungen mit deutlichen Nebenwirkungen einhergehen, zum Beispiel Inkontinenz oder Impotenz. In diesen Fällen raten Experten zum so genannten „watchful waiting“: abwarten und beobachten. Falls der Krebs doch anfängt schneller zu wachsen, kann immer noch therapiert werden.

Diagnose: Fingeruntersuchung, PSA & Biopsie

Der Arzt kann zunächst eine digitale rektale Untersuchung durchführen, die als DRU bezeichnet wird. Mittels Tastuntersuchung werden hier mit dem Finger die Prostata sowie die angrenzenden Organe (z. B. das Rektum) untersucht. Für den Patienten ist dieser Vorgang eventuell unangenehm, jedoch schmerzfrei. Eine DRU kann eine erste Orientierung dafür sein, ob eventuell weitere Untersuchungen vorgenommen werden sollten. Nach Rücksprache mit dem Arzt kann auch eine Blutuntersuchung vorgenommen werden, um das Prostata-spezifische Antigen (PSA) zu messen, ein Eiweiß, das von den Prostatazellen hergestellt wird. Ein erhöhter Level an PSA muss jedoch nicht zwangsläufig auf Prostatakrebs hindeuten. Gleichzeitig kann jedoch auch Prostatakrebs vorliegen, während der PSA-Level normal ist. Der Normwert liegt bei <4 ng/ml im Serum.  Ist die PSA-Konzentration erhöht, muss nicht zwangsläufig von einer Prostataerkrankung ausgegangen werden, jedoch bedeutet ein erhöhter PSA-Wert stets auch einen Befund, der nicht ignoriert werden darf sondern ein Krebs ausgeschlossen werden muss. Es gibt jedoch auch Männer, die einen PSA-Wert unter 4 haben und dennoch an Prostatakrebs erkrankt sind. Umgekehrt kann sich der Wert durch eine entzündete oder vergrößerte Prostata erhöhen, ohne dass Krebs vorliegen muss. Medikamente gegen die gutartig vergrößerte Prostata (benigne Prostatahyperplasie) wiederum führen zu einem niedrigeren PSA-Wert, während dennoch eine Krebserkrankung vorliegen kann.

Sollte eine der genannten Untersuchungen auf eine mögliche Erkrankung hindeuten, kann eine Biopsie durchgeführt werden. Diese stellt die beste und sicherste Möglichkeit dar, eine Krebserkrankung festzustellen und ihre Gut- bzw. Bösartigkeit zu beurteilen. Hierzu wird eine Gewebeprobe entnommen, um diese unter dem Mikroskop auf Zellveränderungen hin zu untersuchen. Für eine Biopsie wird eine Nadel entweder durch die Rektumwand oder dem Damm, also der Haut zwischen Rektum und Hodensack eingeführt. Neben der Biopsie können weitere Tests erforderlich sein, um festzustellen, ob der Krebs sich über die Prostata hinaus ausgebreitet hat. Möglich wären hier u. a. Ultraschall, ein CT- oder MRT-Scan.

Die unterschiedlichen Stadien von Prostatakrebs

Anhand unterschiedlicher Stadien lässt sich beurteilen, wie weit fortgeschritten der Krebs bereits ist. Stadium 1 bedeutet, dass der Krebs noch nicht weit fortgeschritten ist und sich noch innerhalb der Prostata befindet. In Stadium 2 ist der Krebs bereits weiter fortgeschritten, jedoch weiterhin nur auf die Prostata begrenzt. Im dritten Stadium hat sich der Krebs bereits auf die äußeren Teile der Prostata sowie auf die nahe gelegenen Samenbläschen ausgebreitet. Im vierten Stadium schließlich hat der Krebs bereits die Lymphknoten, die näheren Organe oder das Gewebe befallen (z. B. Blase oder Rektum, aber auch Lunge).

Prostatakrebs oft früh erkannt

Da Prostatakrebs sich oft nur sehr langsam ausbreitet, kann er oftmals in einem frühen Stadium erkannt werden. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei einer Erkrankung mit Prostatakrebs liegt bei 99%, die Zehn-Jahres-Überlebensrate bei 95%. Eine Behandlung im Frühstadium, wenn der Krebs sich noch nicht über die Prostata hinaus ausgebreitet hat, stehen die Heilungschancen sehr gut. Haben die Untersuchungen ergeben, dass es sich um eine risikoarme Krebsart handelt, kann man oft einfach abwarten und  beobachten („watchful waiting“). Der Arzt wird regelmäßige Tests durchführen und von Behandlungen, die mit Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz einhergehen können, absehen. Je aggressiver die Erkrankung und je jünger der Patient, umso eher wird eine ebenfalls aggressivere Behandlungsmethode in Betracht gezogen werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei Prostatakrebs

Oft wird ein chirurgischer Eingriff im Kampf gegen den Prostatakrebs angebracht sein. Ist der Krebs auf die Prostata beschränkt, kann diese entfernt werden. Durch moderne Techniken sind nur kleine Schnitte notwendig, bei denen keine naheliegenden Nerven verletzt werden. Bei einem chirurgischen Eingriff kann es zu vorübergehenden Nebenwirkungen kommen, die u. a. die Harnwege und die Erektionsfähigkeit betreffen können.

Eine weitere Möglichkeit gegen den Krebs vorzugehen, liegt in der Strahlentherapie, um die Krebszellen abzutöten. Durch eine Strahlentherapie lassen sich auch Knochenschmerzen behandeln, die durch die Ausbreitung des Krebs entstehen. Eine Variante der Radiotherapie ist die Brachytherapie. Die Tumore werden hierbei aus kurzer Entfernung bestrahlt. Die Bestrahlung erfolgt also beispielsweise direkt auf die Körperoberfläche oder ins Gewebe. Auch bei dieser Behandlung muss mit Nebenwirkungen gerechnet werden, darunter Harnprobleme und Durchfall. 

Ebenfalls möglich ist eine Hormontherapie, die das Krebswachstum hemmen kann. Eine Beseitigung des Krebses mit der Hormontherapie ist jedoch nur in Kombination mit einer zusätzlichen Therapie möglich. 

Letztlich gibt es noch die Chemotherapie, mit der Krebszellen im ganzen Körper bekämpft werden können. Allerdings kommt diese Behandlungsform nur bei bereits fortgeschrittenem Krebs in Frage. Auch wenn der Krebs nicht auf eine Hormontherapie angesprochen hat, kann eine Chemotherapie in Betracht gezogen werden. Die Behandlung erfolgt oftmals intravenös und erstreckt sich in einem zyklischen Behandlungsrhythmus über drei bis sechs Monate. Mit deutlichen Nebenwirkungen wie Haarausfall, Müdigkeit und Übelkeit muss auch hier gerechnet werden.

Mit Prostatakrebs leben

Zu den häufigen Nebenwirkungen der Behandlungen von Prostatakrebs gehört die erektile Dysfunktion. Dies muss jedoch nicht dauerhaft sein. Im Allgemeinen verbessert sich die erektile Funktion wieder innerhalb von zwei Jahren nach dem chirurgischen Eingriff. Je jünger der Patient, umso besser stehen die Chancen, dass es hier wieder zu Verbesserungen der Beeinträchtigungen kommt. Zudem gibt es Möglichkeiten der Abhilfe für Betroffene, etwa Medikamente, Vakuumpumpen oder die Injektionstherapie. 

Auch auf die Ernährung sollte geachtet werden. Und das gilt nicht nur für Personen, die ihre Krebserkrankung besiegt haben, sondern auch für alle, die von vorneherein das Risiko für eine Erkrankung möglichst gering halten wollen. Fünf Portionen Früchte und Gemüse sollten am Tag in den Speiseplan integriert werden. Empfehlenswert sind zudem Vollkornprodukte, statt weißem Reis oder weißem Mehl. Fleisch mit hohem Fettanteil sollte in der Ernährung reduziert werden, ebenso wie Alkohol und verarbeitetes Fleisch, zum Beispiel Speck und  Aufschnitt. 

 

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