Prostatakrebs
Geändert am: 11. August 2016

Protein verrät Prostatakrebs – und zerstört ihn

Written by  menscore, Published in Prostatakrebs
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Protein verrät Prostatakrebs – und zerstört ihn © BillionPhotos.com - Fotolia.com

Prostatazellen tragen auf ihrer Oberfläche ein ganz  besonderes Protein, das spezifisch für sie ist, das Prostata-spezifische Membran-Antigen (PSMA), das allerdings noch viel häufiger auf Prostata-Krebszellen vorkommt. Und genau das ermöglicht die Entdeckung von Krebsherden und Metastasen, und bietet außerdem noch einen guten Ansatz für die Therapie der Krebserkrankung. 

Seit vergangenem Jahr nutzen Nuklearmediziner und Onkologen das Wissen um die Verteilung von PSMA im Körper auch bei der Arbeit am Patienten. „Das PSMA-Molekül bietet eine ideale Erkennungsstruktur, um die Ausdehnung eines Prostatakarzinoms und mögliche Metastasen zu erfassen“, sagt Professor Dr. Frank Grünwald vom Bundesverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN). Schon jetzt zeichnet sich eine neue Anwendung ab: Erste Daten legen nahe, dass sich PSMA auch als Zielmolekül für eine Therapie des Prostatakrebses eignet.

Whistleblower-Protein verrät versteckte Krebszellen

So ist es Forschern des Krebsforschungszentrums Heidelberg gelungen, einen gut verträglichen Wirkstoff zu entwickeln. Dieser kann sich – ähnlich wie ein Antikörper – an PSMA-Moleküle anheften. „Damit bieten sich völlig neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie“, sagt Grünwald, der die Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt am Main leitet. „Wird die Substanz mit dem schwach radioaktiv strahlenden Marker Gallium 68 gekoppelt, lässt sie sich hervorragend in der Diagnostik des Prostatakarzinoms einsetzen“, erläutert er. Denn die radioaktive Substanz strahlt und ist sichtbar. 

Hierfür wird dem Patienten zunächst die radioaktive Wirkstoff-Kombination gespritzt. Die Verteilung lässt sich im Körper anschließend mit einer PET/CT-Untersuchung darstellen. Ergebnis: Im Ganzkörper-Scan treten deutlich die Areale hervor, in denen sich der Wirkstoff anreichert – ein Hinweis darauf, dass sich Metastasen gebildet haben – oder eben nicht.

Auch Zellen anderer Krebsarten werden aufgespürt

Neue Studien zeigen, dass PSMA auch in manchen Tumoren, die nicht auf Prostatazellen zurückgehen, gebildet wird. So konnten Düsseldorfer Mediziner aktuell demonstrieren, dass sich damit etwa auch Metastasen eines Nierenzellkarzinoms im Körper sichtbar machen lassen. Bisher konnten lediglich Lungenmetastasen nicht erfasst werden, die einen Durchmesser von unter einem Zentimeter hatten. Die Mediziner sind optimistisch, dass PSMA die Suche nach Tumorabsiedlungen im ganzen Körper nochmals verbessern wird. 

Gekoppelt mit einem stärker strahlenden Element wie Lutetium-177 oder Actinium-225 lassen sich Substanzen, die PSMA aufspüren, auch zur Behandlung einsetzen. „Mittlerweile konnten wir hier in Frankfurt bei zahlreichen Patienten überraschende Erfolge erzielen“, sagt Grünwald. In einer Pilotstudie am Universitätsklinikum Heidelberg haben Mediziner begonnen, Prostatakrebs-Patienten mit Actinium-225-PSMA-617 zu behandeln. Durch die Verbindung mit dem „Whistleblower“ PSMA gelangt der neuartige Wirkstoff mitsamt seiner Strahlenquelle in unmittelbare Nähe von Tumorzellen und kann diese gezielt zerstören. 

Die ersten Ergebnisse dieser Therapie hält der Experte für sehr vielversprechend. Bei zwei Patienten, von denen die Heidelberger Mediziner vorab berichten, ließen sich der ursprüngliche Krebsherd sowie Metastasen nach der Therapie im PET/CT-Scan nicht mehr nachweisen. Auch Tumormarker im Blut seien unter die Nachweisgrenze gesunken. In weiteren Studien soll nun getestet werden, ob die Methode anderen Therapien auch langfristig überlegen ist. 

 

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