Prostatakrebs
Geändert am: 05. Oktober 2014

Prostata-Op kann den Penis verkürzen

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Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Aubergine in Scheiben © Dmitry Fisher - Fotolia.com

Wenn der Prostatakrebs operiert wird, geht es meist um die Auswirkungen auf die Potenz. Das Problem, dass die Operation den Penis verkürzen könnte, wird kaum thematisiert, geistert aber durch die Foren. Was ist dran an dieser Befürchtung?

Radikale Prostataoperation

Radikale Prostatektomie (RP) heißt die Operation, bei der die gesamte von Krebs befallene Vorsteherdrüse einschließlich ihrer Kapsel, der Bläschendrüsen (früher Samenbläschen genannt) und den Lymphknoten entfernt werden. Es handelt sich um eine schwere Operation, die einen Krankenhausaufenthalt von drei bis zehn Tagen erfordert und nur bei Vorliegen eines bösartigen Tumors erfolgt. Der Penis selbst ist durch die Operation nicht unmittelbar betroffen. Aber warum wird er trotzdem kürzer?

Falscher Verdacht: Der Harnröhren-Effekt

Einige Zeit lang haben sich Operateure damit zufrieden gegeben, einen so genannten „Harnröhren-Effekt“ zu beschreiben: Mit der Prostata wird ein Teil der Harnröhre entfernt, gewissermaßen ein Mittelstück der gemeinsamen Rennstrecke für Harn und Sperma. Da die Harnröhre dann in ihrem Verlauf unterbrochen ist wie eine Autobahn, aus der ein Stück rausgerissen wurde, müssen die beiden losen Enden wieder zusammengefügt werden. Also wird der Teil, der im Penis liegt, ein Stückchen in den Körper hineingezogen und mit dem anderen Ende verbunden. Folge: Der Penis würde kürzer, und zwar um ein bis zwei Zentimeter. So die entsprechenden Meinungen.

„Tatsächlich wirkt die theoretisch denkbare Verkürzung der Harnröhre aber in die genau andere Richtung“, sagt Urologe Dr. Tobias Pottek, Chefarzt der Urologie am Asklepios Westklinikum in Hamburg-Rissen, „Die Harnröhre tritt tiefer in den Beckenboden und entzieht sich damit bei einigen Patienten dem Verschlussmuskel. Dazu gibt es tatsächlich wissenschaftlich reproduzierbare Beobachtungen. Eine Verkürzung des Penis ist durch diesen Effekt nicht denkbar“, so der Chirurg.

Übeltäter Sex-Faulheit

Der eigentliche Grund für die Penisverkürzung heißt Inaktivitätsatrophie. Was nicht gebraucht wird, wird vom Körper vernachlässigt und schrumpft, so wie Muskeln, etwa wenn man länger einen Gips tragen musste. Hier ist es ähnlich: Nach der Operation ist die sexuelle Funktionsfähigkeit stark eingeschränkt, sexuelle Handlungen werden kaum vorgenommen. Dies führt dazu, dass die Schwellkörper wegen mangelnder Beschäftigung kleiner werden, und damit das beste Stück. Besonders ausgeprägt ist dies bei Männern, denen wegen fortgeschrittenem Krebs auch die Erektionsnerven entfernt werden mussten.

Bei den anderen ist die sexuelle Funktion nur vorübergehend beeinträchtigt. „Umso wichtiger ist es, dass diese Männer, sobald sie wieder können, ihren Penis möglichst oft benutzen, damit sie keine unnötige Verkürzung ihres Penis wegen sexueller Faulheit hinnehmen müssen“, empfiehlt der Hamburger Experte Pottek.


Was kann Mann für die Länge tun?

Sexuelle Betätigung wirkt wie Training: Die Schwellkörper kommen mit jedem weiteren Mal besser in Form. Setzen Sie sich aber nicht unter Druck, Sie müssen nicht gleich zum Hochleistungssportler im Schlafzimmer werden. Wenn es nicht klappt, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Mit Medikamenten, die eine Erektion unterstützen, oder mit Vakuumpumpen kann nämlich geholfen werden.

Übrigens: Die Entfernung der Prostata ist immer ein schwerer Eingriff, deshalb haben Betroffene zusätzlich Anspruch auf psychologische Betreuung.

Früher ansetzen

Wie viel mit der Prostata entfernt wird, hängt davon ab, wie weit der Tumor schon fortgeschritten ist. Hat er die Kapsel noch nicht erreicht, kann oft nervenerhaltend operiert werden, mit der Folge, dass die Erektionsfähigkeit erhalten bleibt. Dies ist mittlerweile meist der Fall, u.a. weil die von Fachleuten empfohlene Früherkennung dazu führt, dass der Krebs rechtzeitig erkannt wird.

Die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen werden ab dem 45. Lebensjahr von der Krankenkasse übernommen. Die wichtigste Früherkennungsuntersuchung gegen den Prostatakrebs, den PSA-Test, muss man allerdings selbst zahlen. Nehmen Sie das wahr, es lohnt sich. Denn Prostatakrebs macht lange Zeit keine Beschwerden. Wenn man aber erst Symptome hat, ist die Potenz wahrscheinlich schon gefährdet.

 

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