Prostataentzündung
Geändert am: 19. Januar 2015

Prostataentzündung - Schmerz in der Tiefe

Written by  menscore, Published in Prostataentzündung
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Prostataentzündung - Schmerz in der Tiefe © decade3d - Fotolia.com

Die Beschwerden werden von den Betroffenen lange verdrängt und von Ärzten nicht immer richtig gedeutet - die Prostataentzündung kann sich zu einem schmerzhaften Dauerproblem entwickeln. Dabei kann die Therapie so einfach sein...

„Die Warnsignale der Prostataentzündung – Schmerzen im Unterleib, am Damm und in den Hoden – werden von den meisten Männern solange ignoriert, wie es irgend geht. Erst der plötzliche Harndrang mitten in der Nacht und die brennenden Schmerzen beim Wasserlassen, die treiben sie dann doch zum Urologen", sagt der Münchener Facharzt für Urologie, Professor Hartwig-Wilhelm Bauer.

Spät entdeckt

Besonders schlimm traf es einen seiner Patienten, den Informatiker Andreas Gellert*, 34: Dieser war bereits seit über einem Jahr wegen einer hartnäckigen Eichelentzündung in Behandlung. Irgendwann entwickelte er auch eine Entzündung der Prostata, die aber trotz der Beschwerden, die sie machte, nicht erkannt wurde - alle Blicke waren schließlich auf die Eichelerkrankung gerichtet. Zwar wurde ein halbes Jahr später die Diagnose endlich gestellt, doch nun gab es Probleme mit der Behandlung: Was die Ärzte auch versuchten, die Beschwerden des Informatikers nahmen zu, nicht ab.

Erst ein weiteres Jahr später kam Gellert zum Experten Bauer, von dem er dann erfuhr, dass auch seine anderen Beschwerden, die er seit einiger Zeit hatte, auf die Prostataentzündung zurückzuführen waren, nämlich das allgemeine Krankheitsgefühl mit Druckgefühl und Schmerzen im Kopf, schwere Beine und Erschöpfung. „Diese Symptome, aber auch Sexualstörungen wie vorzeitiger Samenerguss, fehlende Erektion trotz Lust und Schmerzen beim Ejakulieren, kommen bei Prostatitis-Patienten besonders häufig vor", so Bauer.


 

Junge Männer bevorzugt

Insgesamt kommt die Prostatitis weit häufiger vor, als man glaubt. "Etwa jeder fünfte Mann macht das einmal im Leben durch", weiß Professor Dr. Wolfgang Weidner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Andrologie des Universitätsklinikums Gießen und Vizepräsident des Vorstands der hessischen Von Behring-Röntgen-Stiftung in Marburg. Sie kann in jedem Alter auftreten, betrifft aber meist Männer zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr.

Dennoch klappt es mit der Behandlung nicht immer auf Anhieb. „Insbesondere wenn Antibiotika auf Verdacht verordnet werden, kann die therapeutische Wirkung ausbleiben und die Entzündung weiter voranschreiten. Und der Patient leidet unnötig weiter", sagt Urologe Weidner. Und: „Je länger die Symptome bestehen, umso mehr sinkt die Chance einer Heilung", warnt der Experte weiter.

Das liegt daran, dass bei nur fünf bis zehn Prozent der Männer mit den geschilderten Beschwerden überhaupt Bakterien in ausreichender Zahl in der Prostata nachgewiesen werden können.

Die üblichen Verdächtigen: Bakterien

Bakterien gelangen meist durch Einschwemmung in die Prostatagänge, etwa durch Fluss von infizierten Harnresten bei der Blasenentzündung – die bei Männern allerdings sehr selten ist –, über die Blut- oder Lymphwege oder auch durch einen Blasenkatheter im Krankenhaus. Meist handelt es sich bei den Erregern um Darmbakterien.

Auch der Rückstau von infiziertem Prostatasekret kann eine bakterielle Entzündung der Vorsteherdrüse verursachen, Entzündungen durch Viren oder Pilze dagegen sind sehr selten.

Sind die Erreger erst einmal identifiziert worden, können zwei von drei Patienten mit bakterieller Prostatitis erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.


 

Leiden ohne Grund?

Viel problematischer ist dagegen das Schicksal der restlichen 90 Prozent der Prostatitis-Geplagten, die an einer nichtbakteriellen chronischen Prostatitis leiden. Seit langem schon versuchen Forscher, die Ursache für diese Form der Prostataentzündung zu finden.

Eine Verengung des Blasenhalses wird genauso diskutiert wie ein Rückfluss von Urin. Letzteres soll möglicherweise durch Reizung des Gewebes eine Entzündung - aber eben nichtbakterielle - auslösen.

Auch wird immer wieder berichtet, man habe neue Keimstämme dingfest gemacht, die für die bisher als nicht bakterienbedingt eingeordneten Prostataentzündungen verantwortlich sein sollen, so z. B. Ureaplasmen, Mykoplasmen, Trichomonaden und Chlamydien. Problematisch ist bei diesen Keimen allerdings, dass diese in anderen Studien auch bei völlig gesunden Männern nachgewiesen wurden. „Damit wird natürlich die Beweiskraft der betreffenden Studien erheblich geschwächt", berichtet Professor Bauer.

Eine weitere Möglichkeit weist in eine gänzlich andere Richtung: Bei manchen Patienten mit chronischer Prostatitis wurden im Prostatasekret sogenannte Zytokine gefunden, von Zellen gebildete Substanzen, die auf ein Autoimmungeschehen hindeuten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass in der Prostata lange nach Abklingen einer Infektion noch Abwehrstoffe gebildet werden, die gewissermaßen gegen die Geister der Vergangenheit kämpfen, dabei aber ungewollt die Prostata schädigen. Zwar besteht der Verdacht eines Autoimmungeschehens bereits seit Anfang der 90er Jahre, doch er wurde bis jetzt nur im Tiermodell festgestellt. „Therapieversuche werden mit entzündungshemmenden Medikamenten unternommen. Weil aber die genauen Entstehungswege der immunbedingten Prostataentzündung noch nicht geklärt sind, gibt es auch noch keine spezifische Therapie", so Professor Weidner.


Versuchen, bis es klappt

Bei den Patienten, bei denen keine Bakterien und auch keine immunbedingte Prostataentzündung vorliegen, muss an das sogenannte „chronische Beckenschmerzsyndrom" (Chronic pelvic pain syndrom, CPPS) gedacht werden. Das kommt überwiegend bei Männern im Alter von 25 bis 50 Jahren vor und die Beschwerden sind von einer entzündlichen Prostatitis nur schwer zu unterscheiden. Die Ursache liegt hier häufig im seelischen Bereich: Akuter Stress wie auch langfristig belastende Probleme können zu einer Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur führen. „Entsprechend bessern sich die Symptome in vielen Fällen, wenn der Stress vorbei ist und die Probleme behoben sind", erklärt Professor Weidner.

Gegen diese Form der Prostatitis werden zunächst ebenfalls bestimmte Antibiotika (z.B. Fluorochinolon-Antibiotikum wie Ciprofloxacin) gegeben. „Obwohl ja eigentlich keine Keime vorhanden sind, bessern sich bei etwa 20 Prozent der Patienten die Beschwerden deutlich. Warum das so ist, weiß bisher noch keiner so genau", berichtet der Urologe Bauer.

Wenn das nicht hilft, wird mit Alpha-Blockern (Terazosin, Tamsulosin oder Silodosin) eine Entkrampfung der Prostatamuskulatur bewirkt. Laut Studien lassen darunter in 40 bis 60 Prozent der Fälle die Beschwerden nach.

Als nächstes kommen - für die Unglücklichen, bei denen Antibiotika und Alpha-Blocker versagt haben, 5α-Reduktasehemmer zum Einsatz. Mehrere Studien zeigten, dass darunter das Prostatagewebe schrumpft und die subjektiven Beschwerden sich bessern - was allerdings sechs bis zwölf Monate dauern kann.


Das hilft

Es existieren auch wissenschaftliche Studien, die eine Wirksamkeit mit Phytosterolen (z. B. Quercetin) belegen: das pflanzliche Flavonoid hat eine antioxidative Wirkung, die bei einigen Betroffenen die Symptome lindert.

Kleinere Studien konnten auch eine deutliche Verbesserung der Beschwerden unter dem Anti-Pilzmittel (Antimykotikum) Mepartricin feststellen. Wahrscheinlich beeinflusst die Substanz den Gehalt am Weiblichkeitshormon Östrogen in der Prostata, vermuten Wissenschaftler.

Einigen Patienten helfen Entspannungsübungen des Beckenbodens, Akupunktur, Mikrowellen-Wärmetherapie oder auch eine moderate Sportart, wie z. B. Joggen.

Obwohl die schlimmsten Beschwerden nun weg sind, macht Andreas Gellert eine üble Kälteempfindlichkeit zu schaffen: er kann nicht aus dem Haus gehen, ohne diverse warme Unterhosen anzuziehen, und selbst nur ein offenes Fenster im Büro und kalte Stühle verursachen ihm Schmerzen im Unterleib. Langes Sitzes und Autofahren ohne Sitzheizung ist ebenfalls nicht mehr drin. Und: „An Winterurlaub ist nicht zu denken, und wegen unvermeidbarer nasser Badesachen auch nicht an Sommerurlaub."


Ursachen – und was Sie dagegen tun können

Zu wenig Sex

Zur Vorbeugung ist Sex am besten geeignet. Dabei ist der Prostata der Sex allein genauso lieb wie der zu zweit.

Kälte

Kalte Füße und das Sitzen auf kalter Unterlage können zu mangelnder Durchblutung des kleinen Beckens führen, damit wird eine Schwellung der Prostata begün¬stigt, die wiederum Symptome macht.

Meiden Sie für die Dauer der Entzündung das Schwimmbad, insbesondere lassen Sie nasse Badehosen nicht am Leib trocknen und nehmen sie öfter mal ein warmes Bad oder gehen Sie in die Sauna.

Bakterien

Manipulationen der Harnröhre und Entzündungen in Blase oder den Nieren können Ursache für eine Bakterienbesiedlung der Prostata sein. Sorgen Sie – sofern die Schmerzen dies zulassen – für eine regelmäßige Entleerung des Prostatasekretes durch Ejakulation. Damit werden die Keime mit hinausbefördert.

Bei Auftreten von Symptomen einer Prostatitis sollten Sie aber, bevor Sie zur Eigentherapie greifen, erst einen Urologen aufsuchen, bei Fieber sogar sofort.

Möglicherweise wird dieser Sie an ein auf Prostatitis spezialisiertes Zentrum überweisen, wo man mit Hilfe der so genannten 4-Gläser-Probe eine gezielte Diagnostik durchführen wird. „Dafür gibt der Patient vor und nach einer rektalen Prostatamassage – um Sekret zu gewinnen – jeweils Urinproben ab, die auf Bakterien und Entzündungszellen untersucht werden. Nur, wenn auf diese Weise die Ursache der Prostatitis gefunden ist, kann entsprechend gezielt behandelt werden", betont Urologe Bauer. Und: trinken Sie viel Flüssigkeit, am besten über zwei Liter! Dies gilt zwar immer, aber bei Entzündungen im Körper umso mehr!

Freie Radikale

Diese aggressiven Moleküle werden durch Rauchen und UV-Strahlung, aber auch durch normale Stoffwechselvorgänge im Körper gebildet. Kaum freigesetzt, schädigen sie gesunde Zellen bis hin zur Krebsentstehung. Essen Sie täglich reichlich Gemüse, Salat und Obst (fünf Portionen am Tag, wobei eine Portion ungefähr eine kleine Handvoll ausmacht), weichen Sie auf Pflanzenöle aus und ergänzen Sie ihren Speiseplan mit Hülsenfrüchten und Nüssen. Diese Nahrungsmittel enthalten ausreichend Radikalfänger-Vitamine, um auch Ihre Prostata vor Entzündungen zu schützen.

 

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