Blase/ Pinkeln
Geändert am: 25. Januar 2017

Harninkontinenz nach Prostatakrebs-OP

Written by  menscore, Published in Blase/ Pinkeln
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Harninkontinenz nach Prostatakrebs-OP © stnazkul - Fotolia.com

Dass es zu unfreiwilligem Urinverlust kommt, kann unterschiedliche Ursachen haben. Eine davon ist die Behandlung von Prostatakrebs. Die Freude über den erfolgreichen Verlauf der Behandlung wird oft getrübt, wenn in der Folge Harninkontinenz eintritt. Viele Männer leiden darunter. Dabei gibt es Hilfe auch jenseits von Binden und Einlagen.

Die Lebensqualität der betroffenen Männer kann durch den unkontrollierbaren Harnverlust deutlich eingeschränkt werden. Dennoch empfinden viele Betroffene Scham, über ihr Problem zu sprechen. So weiß Professor Christian Stief von der Urologischen Klinik in München-Großhadern zu berichten, dass Männer, die unter Harninkontinenz leiden, meist versuchen, das Problem allein zu tragen. Statt sich Hilfe zu suchen oder mit ihrem Umfeld zu sprechen, ziehen sie sich zurück und nehmen nicht mehr aktiv am Leben teil. Die Vereinsamung kann sogar so weit gehen, dass Selbstmordgedanken auftreten.

Die nach einer erfolgreichen Prostata-OP eintretende Inkontinenz zeigt, wie dicht Freud und Leid beieinander liegen können. Vor allem Männer, die mitten im Leben stehen, erfolgreich im Beruf sind und ihrem Umfeld gegenüber sehr selbstbewusst auftreten, haben sehr mit dem Problem des unfreiwilligen Urinverlusts zu kämpfen. Wenn dann auch noch Sexualstörungen wie Impotenz auftreten, kann dies mitunter sogar den Lebenswillen schwächen.

Harninkontinenz nach einer Prostata-Op ist keine Seltenheit

Dabei müssen sich Betroffene mit ihrem Problem nicht allein fühlen. Etwa 23.000 Eingriffe werden jährlich in Deutschland durchgeführt, bei denen es zu einer Entfernung der kompletten Prostata kommt, was neben Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) auch eine Harninkontinenz nach sich zieht. Letztere tritt bei bis zu einem Viertel der Patienten nach der Prostatakrebs-OP auf. 

Dabei lässt sich die Inkontinenz in verschiedene Formen einteilen. Vor allem die Belastungs- und Dranginkontinenz sind weit verbreitet. Zur Dranginkontinenz gehört etwa die überaktive Blase. Der Betroffene empfindet das Gefühl, nicht mehr rechtzeitig die Toilette aufsuchen zu können, bevor er dem Harndrang nicht mehr widerstehen kann. Diese Dranginkontinenz ist oftmals nur ein vorübergehendes Phänomen, das sich von selbst wieder einige Monate nach der Prostata-OP legt. 

Wohingegen die Belastungsinkontinenz, also der Urinverlust bei bestimmten Belastungen wie schwerem Heben, Aufstehen oder Niesen, sich zu einem dauerhaften Zustand entwickeln kann. Doch gleich wie stark die täglichen Einschränkungen durch den unkontrollierbaren Urinverlust auch sind, viele Männer ziehen es vor, sich nicht in Behandlung zu begeben. Rund 60 Prozent der betroffenen Männer möchten mit ihrem Problem lieber allein bleiben und sich niemandem anvertrauen.

Berührungsängste mit Binden und Einlagen

Anders als bei Frauen war es für betroffene Männer zuvor nie nötig, sich mit Binden oder anderen Hygieneartikeln dieser Art zu beschäftigen. Von der Krankenkasse können die Betroffenen diesbezüglich keine große Hilfe erwarten. Vielmehr liegt es an ihnen, sich eigenständig in der Drogerie mit Binden und Einlagen auszustatten, auch wenn die Überwindung hierbei groß ist. Aufgrund fehlender Erfahrungswerte wird hier nicht selten zu einem falschen Produkt gegriffen, das letztlich nicht die gewünschte Sicherheit im Alltag und die erhoffte Verbesserung der Lebensqualität bietet, wodurch sich der Frust meist noch erhöht. Wenn die Einlagen nicht ausreichend trocken halten, bedeutet dies, dass es zu einem erhöhten Wäscheaufkommen kommt. Einige Betroffene berichten, dass hierdurch sogar Verstimmungen bei der Partnerin hervorgerufen wurden. Wenn dann auch der eigene Arzt kein adäquater Ansprechpartner ist, bleibt vielen Männern nichts anderes übrig, als sich komplett zurückzuziehen. Denn auf das Problem der Inkontinenz angesprochen, reagieren viele Ärzte sehr verständnislos und verweisen auf die erfolgreich durchgeführte OP. Dass es nun hin und wieder zu einem unkontrollierten Tröpfeln kommen würde, könne der Patient angesichts seiner Genesung wohl aushalten.

Beckenbodentraining, Schlingensystem & künstlicher Schließmuskel

Zwar wäre eine operative Behandlung bei Harninkontinenz möglich, insbesondere, wenn Medikamente nicht ausreichend helfen, doch wird dem Patienten ein ungewisser Ausgang suggeriert und in Frage gestellt, ob er sich wirklich erneut den Strapazen eines Eingriffs aussetzen wolle. Unter Umständen muss dies aber auch tatsächlich nicht nötig sein, denn einen gewissen Erfolg im Kampf gegen den unkontrollierten Urinverlust kann bereits ein regelmäßiges Beckenbodentraining bieten. Eine Garantie gibt es hierfür zwar nicht, doch vielen Männern tut es gut, aktiv etwas zu ihrer möglichen Genesung beitragen zu können.

Noch einen Schritt weiter kann man mit einer speziellen Schlinge gehen, die den Schließmuskel bei seiner Arbeit unterstützen soll. Durch die in einer Operation eingesetzte Schlinge wird die Harnröhre angehoben, wodurch es dem Schließmuskel möglich wird, seiner Aufgabe wieder besser  nachzukommen. Der Harn wird dadurch zurückgehalten. Die Schlinge wird fixiert, der Patient muss sich hier also nach dem Einsetzen nicht weiter darum kümmern. 

Wenn der eigene Schließmuskel nicht mehr richtig arbeitet, kann auch ein künstlicher Schließmuskel operativ eingesetzt werden. Ob dies eine wirkliche Erleichterung darstellt, muss jeder Patient für sich entscheiden. Ein spezielles Ballonsystem verschließt bei diesem Vorgang die Harnröhre. Der Patient selbst übernimmt mittels Pumpe die Steuerung und muss einen im Hodensack liegenden „Schalter“ betätigen, wenn er zur Toilette gehen möchte.  

 

 
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