Blase/ Pinkeln
Geändert am: 02. Oktober 2014

Stein gehabt?

Written by  menscore, Published in Blase/ Pinkeln
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
mehrere Harnsteine neben einem Lineal © airborne77 - Fotolia.com

Harnsteine können fieseste Schmerzen verursachen. Männer sind häufig betroffen und haben mehr „Urinrennstrecke“, wo Steine sich verhaken und aasige Schmerzen machen können. Lesen Sie hier, wie man sie los wird und ihnen vorbeugt.

Harnsteine sind harte Gebilde, die sich überall dort befinden können, wo auch Urin vorkommt: von der Produktionsstätte – den Nieren – über die Harnleiter zur Blase und in der Harnröhre. Entsprechend werden sie je nach Lage Nierensteine, Harnleitersteine, Harnblasensteine und Harnröhrensteine genannt. Sie können Schmerzen, Blutungen und Entzündungen verursachen und den Harnfluss behindern.

Das Risiko, Beschwerden durch Harnsteine zu bekommen, die eine Behandlung notwendig machen, beträgt 20 Prozent, wobei Männer besonders häufig betroffen sind. Steine können in sehr vielen Größen auftreten, von kleinen Kristallen bis hin zu mehrere Zentimeter großen Brocken.

Beschwerden: Schmerz lass nach

Die Beschwerden hängen von Größe und Lage der Steine ab. Während Blasensteine Schmerzen im Unterleib machen, führen Steine im Nierenbecken und besonders in den engen und zartwandigen Harnleitern oder der Harnröhre zu Rückenschmerzen und/oder zu Nierenkoliken. Und Nierenkoliken erkennt man am vernichtenden, in Abständen auftretenden Schmerz, der über den Bauch in den Bereich zwischen unteren Rippen und Hüfte sowie in den Unterleib bis in die Innenseite der Oberschenkel und die Hoden ausstrahlen kann. Der Schmerz kommt in Wellen, erst anschwellend bis er kaum mehr zu ertragen ist, und ebbt dann wieder ab. Andere Symptome können Übelkeit und Erbrechen, Rastlosigkeit, Schweißausbrüche und Blut im Urin sowie Schüttelfrost und Fieber sein. Auch häufiger Harndrang kann vorkommen - besonders wenn der Stein sich den Harnleiter herabbewegt.

Dagegen machen kleine Steine, die direkt im Nierengewebe sitzen, selbst so gut wie keine Beschwerden und werden meist auch nur zufällig entdeckt.

Ursachen für Steine

Eine Übersättigung des Harns mit Mineralien, die Steine bilden können, sowie der Mangel von Inhibitoren im Harn gehören zu den häufigsten Ursachen von Harnwegssteinen. Ein solcher Inhibitor ist übrigens Zitronensäure, der das überschüssige Kalzium bindet und der Ausscheidung zuführt, und damit eine Steinbildung hemmt.

Auch Personen, die unter einer Nebenschilddrüsenüberfunktion leiden, haben ein erhöhtes Risiko. Personen, die sich fleischlastig ernähren oder viel Vitamin C zu sich nehmen und außerdem nicht genügend trinken, sind sichere Kandidaten für Harnsteine. Wie bei vielen anderen Erkrankungen auch, ist das Risiko höher, wenn auch Familienmitglieder schon unter Harnsteinen gelitten haben.

 

Zusammensetzung: Jeder Stein ist anders

Steine bestehen aus Mineralien, die im Urin Kristalle ausbilden. Und je weniger die Harnwege durch Flüssigkeitsaufnahme durchspült werden, und je höher entsprechend die Konzentration an solchen Mineralien ist, desto mehr Kristalle lagern sich aneinander und bilden Steine aus.

Etwa 85 Prozent der Steine bestehen aus Kalzium, die restlichen aus unterschiedlichen Stoffen wie Harnsäure oder Struvit. Struvitsteine, die sich wiederum aus Magnesium, Ammonium und Phosphat zusammensetzen, werden auch „Infektsteine“ genannt, weil sie nur in bakteriell besiedeltem Harn gebildet werden.


Diagnose: Dem Stein auf der Spur

Wer mit einer Nierenkolik zum Arzt kommt, weckt dessen Verdacht auf das Vorliegen von Harnsteinen schnell. Auch Schmerzempfindlichkeit in Rücken und Unterleib ohne sonst ersichtlichen Grund kann dem Mediziner als Hinweis dienen. Wird im Urintest Blut gefunden, erhärtet sich der Verdacht. Manchmal sind die Beschwerden und die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung so eindeutig, dass es keiner weiteren Abklärung bedürfte. Aber um andere Ursachen auszuschließen, werden weitere Untersuchungen wie die Computertomografie (CT) durchgeführt. Vorteile: Größe und Lage, aber auch das Ausmaß der Abflussbehinderung durch den Stein können festgestellt werden. Gleichzeitig können auch andere mögliche Ursachen wie die Blinddarmentzündung oder ein lebensgefährliches Aneurysma der Bauchhauptschlagader (Aortenaneurysma) diagnostiziert bzw. ausgeschlossen werden.

Die Untersuchung mit Ultraschall (Sonografie) ist zu einer ersten Einschätzung sinnvoll, da sie schnell durchgeführt werden kann - weil in viel mehr Praxen vorhanden, und auch technisch weniger aufwändig (und kommt außerdem ohne radioaktive Strahlen aus). Manchmal reicht sie aus, aber oft ist eine zusätzliche CT notwendig, besonders wenn es wahrscheinlich scheint, dass dem Ultraschall kleinere Steine, etwa in den Harnleitern, entgangen sein könnten.

Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit stellt das Röntgen dar. Allerdings wird es eher nachranging durchgeführt, und dann auch nur, wenn feststeht, dass es sich um Kalziumsteine handelt, da diese sich im Röntgen besonders deutlich darstellen lassen.

Eine Untersuchung des Harns im Labor findet immer statt. Als schnellste, schonendste und preiswerteste Methode kann sie Aufschluss geben über Blut, Eiter und Kristallen im Urin. Steht die Diagnose „Harnstein“ fest, wird im Labor noch die Zusammensetzung des Steins bestimmt, weil diese sich auf die Behandlung auswirkt.


Therapie: auflösen, zertrümmern oder durchs Schlüsselloch ziehen

Kleinere Steine, die keine Beschwerden machen, werden normalerweise nicht behandelt, zumal die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie irgendwann von selbst beim Wasserlassen „abgehen“.

  • Schmerzbehandlung

Die Schmerzbehandlung bei Koliken erfolgt mit so genannten Nicht-Steroidalen-Antirheumatika (NSAR), Schmerzmittel mit starker entzündungshemmender Komponente (z.B. Ibuprofen, Diclofenac), in schwereren Fällen können Opioide (z.B. Morphin) notwendig sein.

  • Steinabgang

Medikamente wie Alpha-Rezeptorenblocker (z.B. Tamsulosin, besonders bekannt als Mittel gegen die Beschwerden der vergrößerten Prostata), können helfen, die Muskulatur in den Harnleitern zu entspannen und damit zu einem leichteren Steinabgang beitragen. Hat der Stein den Körper auf natürlichem Wege verlassen, bedarf es im Normalfall keiner weiteren Behandlung.

In schweren Fällen, wenn ein Stein z.B. den Abfluss behindern und einen Rückstau des Harns in die Niere verursachen, können Ärzte den angestauten Harn durch einen Katheter, der durch die Haut ins Nierenbecken vorgeschoben wird, ableiten, bis der Stein entfernt werden kann.

  • Zertrümmerung

Steine, die nicht größer als einen Zentimeter im Durchmesser sind und sich im Nierenbecken oder in dem Teil der Harnleiter befinden, der in der Nähe der Niere ist, können auch durch von außen durch die Haut auf den Stein gerichtete Ultraschallwellen (Extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie, ESWL) zertrümmert werden. Die Steinfragmente können dann mit dem Harn über natürlichem Wege ausgeschieden werden.

Harnleiter-/Nierenspiegelung

Kleinere Steine, die in den tieferen Abschnitten der Harnleiter sitzen, werden via Harnblasenspiegelung, mit einem flexiblen Endoskop (Untersuchungsschlauch mit Kamera und kleinsten chirurgischen Instrumenten ausgestattet) entfernt. Das Endoskop wird dafür durch die Harnröhre in die Blase und von dort in den Harnleiter zum Stein vorgeschoben, wo der Arzt den Stein mit den Instrumenten des Endoskops zerkleinern und/oder auch entfernen kann.

„Während einer solchen Spiegelung können Steine in den Harnleitern übrigens auch mit dem Laser zertrümmert werden, so genannte Holmium-Laser-Lithotripsie“, sagt Urologe Dr. Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V., auf Sylt.

  • Die chemische (Auf-)Lösung

Harnsäuresteine können manchmal auch chemisch aufgelöst werden, und zwar indem der Harn mit Medikamenten alkalischer (basischer) gemacht wird. Allerdings kann das die Einnahme von Kaliumzitrat-Tabletten über vier bis sechs Monate bedeuten. Eine Maßnahme, die sich nur bei Harnsäuresteinen und nur, wenn keine starken Beschwerden bestehen, durchführen lässt.


So beugen Sie Steinen vor

Für die Prävention aller Steine, unabhängig davon, woraus sie sich hauptsächlich zusammensetzen, gilt: Trinken Sie viel! Je mehr Sie schwitzen, etwa bei warmem Wetter oder sportlicher Betätigung, desto mehr! Das kann die Konzentration entsprechender Mineralien im Harn verdünnen und die Bildung von Steinen verlangsamen bis verhindern. Bereits bestehende kleine Steinchen können besser ausgeschwemmt werden.

Die weiteren Maßnahmen zur Vorbeugung von Steinen richten sich nach ihrer Zusammensetzung:

Kalzium-Oxalat-Steine – Konsum von Milchprodukten verringern

  • Am häufigsten kommen Kalzium-Oxalat-Steine vor. Hat eine Laboranalyse den Befund erbracht, dass bei Ihnen ein solcher Stein vorliegt, sollten Sie weniger Milch und Milchprodukte essen, aber nicht ganz darauf verzichten (auch zu niedrige Kalziumkonzentrationen können paradoxerweise das Risiko für solche Steine erhöhen). Auch Salz, Tomaten, Rhabarber und Spinat sind nicht gut für Sie. Lebensmittel, die reich an Kalium sind, sollten Sie dagegen vermehrt verzehren. Dazu gehören u.a. Petersilie, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Karotten. Übrigens: Für jemanden, der einen Kalzium-Stein hatte, beträgt die Wahrscheinlichkeit, einen weiteren zu bekommen, für das nächste Jahr 15 Prozent, für die nächsten fünf Jahre 40 Prozent und für die nächsten zehn Jahre 80 Prozent.

Harnsäure-Steine – wenig tierische Eiweiße verzehren

  • Besteht der Stein vornehmlich aus Harnsäure, hilft es, tierische Eiweiße wie Fleisch, Fisch und Geflügel zu meiden oder wenigstens die Zufuhr einzuschränken. Reicht die Maßnahme nicht aus, kann der Arzt das Anti-Gicht-Mittel Allopurinol verschreiben. Darüber hinaus ist Kaliumcitrat bei Harnsäuresteinen sehr oft ratsam, da es den Säuregrad des Urins verringert und damit die Steinbildung hemmt.

L-Cystin-Steine – viel trinken

  • Bei Steinen, die aus L-Cystin bestehen, muss ganz besonders auf hohe Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Eine medikamentöse Therapie ist aber auch möglich.

Struvitsteine – Antibiotika nehmen

  • Wiederholt auftretende Struvitsteine dagegen können die Einnahme von Antibiotika erforderlich machen, um Harnwegsinfektionen zu verhindern.
 

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