Kurioses
Geändert am: 25. Juni 2015

Mutterkuchen mit Biss

Written by  Julia Hofmann, Published in Kurioses
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Mutterkuchen mit Biss © olly - Fotolia.com

Kuchen ist lecker und zusammen mit Kaffee ein absoluter Klassiker. Seit kurzem wird nun aber auch Mutterkuchen immer beliebter. Nein, das ist nicht ein von Muttern gebackener Kuchen, sondern ein Organ schwangerer Frauen!  

Der am Ende der Schwangerschaft etwa 500 Gramm schwere Mutterkuchen (Plazenta) ist während der Schwangerschaft im Wesentlichen für die Versorgung des ungeborenen Kindes mit Nährstoffen und Sauerstoff, sowie für die Entsorgung von Abbauprodukten seines Körpers zuständig. Nach der Geburt ist es verliert es seinen Nutzen und wird deshalb vom Körper der Frau abgestoßen, es kommt gewissermaßen als Nachgeburt zur Welt. Viele Säugetiere fressen das Organ schließlich auf, um keine Spuren zu hinterlassen und ihr Jungen vor Raubtieren zu schützen.

Aber warum Menschen? Warum auch immer, Plazentaessen liegt im Trend. Plazenta ist der medizinische Fachbegriff für den Mutterkuchen. Wem sich jetzt der Magen umdreht, der ist vielleicht nur nicht auf dem neuesten Stand. Viele Prominente, Männer wie Tom Cruise, aber auch „Normalos“ propagieren den Mutterkuchen als Mahlzeit und sind von den gesundheitlichen Vorzügen des Mahles überzeugt. Manche glauben, die Plazenta enthalte wichtige Vitamine und Nährstoffe, die unter anderem den Milchfluss anregen. Es soll gegen Schmerzen helfen und zu neuen Energien verhelfen, indem es die Eisenspeicher im Körper füllt.

Plazenta: Roh, gekocht und gemahlen

Ob das stimmt, überprüften Wissenschaftler der North Western Universität, indem sie Daten von zehn veröffentlichten Studien analysierten, deren Teilnehmerinnen Plazenta gegessen hatten. Weder roh oder gekocht, noch in Pulverform war irgendein gesundheitlicher Nutzen nachweisbar, schreiben sie in der Fachzeitschrift „Archives of Women’s Mental Health“.

Dagegen warnen die Forscher vor einem möglichen Risiko durch das Verspeisen der wie Leber anmutenden Schwangerschaftsüberreste. Das Organ filtert nämlich auch Gifte und Schadstoffe aus dem Blut, um das ungeborene Kind zu schützen. Welche Stoffe das sind, weiß niemand so genau und auch nicht, wie hoch die Konzentration potentieller Schadstoffe ist. Dazu kommt, dass der Mutterkuchen nicht keimfrei geboren wird. Die Lagerung könnte ihr Übriges tun.

Auch auf die Gefahr hin, unmodern zu sein, empfehlen wir ganz konservativ Obst und Gemüse für die Vitamine, und Fleisch für den Eisenbedarf. Wer diese Nährstoffe pur und konzentriert haben möchte, dem bieten Drogerien und Apotheken Nahrungsergänzungmittel in Hülle und Fülle. Mag zwar nicht im Trend liegen, ist aber definitiv steriler und hat einen erheblich geringeren Örgh-Faktor.

 

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