Kurioses
Geändert am: 13. Oktober 2014

Peinliche Sex-Geschichten - Lippenrot

Written by  menscore, Published in Kurioses
Fachliche Beratung: Dr. med. Axel-Jürg Potempa
 
Knallrote Lippen einer Gummipuppe © seprimoris - Fotolia.com

Eine Geschichte aus dem neuen Buch "Was Sie besser nicht über Sex wissen sollten": Eine junge Frau kommt mit geschwollenen, geröteten Schamlippen zum Urologen, und ohne Slip. Der Arzt denkt erst, die Frau sei erregt. Aber er erfährt, dass der Freund der Frau daran schuld ist.

Gibt es etwas Langweiligeres und zugleich Unangenehmeres als das Wartezimmer einer Arztpraxis? Meistens sieht es doch so aus: ein paar durchgesessene Stühle, Zeitungen von vor einem Jahr und zwei dürre Grünpflanzen. Dazu noch die Ungewissheit, die Angst vor dem, was gleich kommen wird bei der Untersuchung. Natürlich versuchen viele Ärzte, so auch ich, erstens die Wartezeiten insgesamt zu verkürzen und sie, wenn es schon nicht anders geht, wenigstens so angenehm wie möglich zu gestalten. Dennoch bleibt es eine Tatsache: Warten auf den Arzttermin ist eine der nervigsten Angelegenheiten überhaupt.

Außer, es kommt zufällig eine so nette Gruppe zusammen wie in den schweren Ledersofas vor meinem Untersuchungszimmer: zwei Männer, einer Anfang 20, der andere um die 40, deren Untersuchung eigentlich schon beendet war, die aber noch auf ihre Laborergebnisse warteten. Und zwei junge Frauen, ausgesprochen hübsch und frisch, 24 Jahre vielleicht. Die beiden Freundinnen waren zuvor zusammen schwimmen gewesen, und nun hatte die eine die andere zu ihrem Termin bei mir begleitet. Draußen schien die Sonne, und so trugen die beiden kurze Röckchen und darüber dünne Trägershirts mit viel Haut darunter, die appetitlich braun war und noch warm vom Baden.

Natürlich bin ich ein Mann, und natürlich registriere ich auch als Arzt, wenn mir da jemand Ansehnlicher gegenübersitzt. Aber so weit, dass sexuelles Interesse durchkäme oder auch nur die Lust auf einen Flirt, so weit geht es nie – dem steht immer die Professionalität entgegen. Ich erinnere mich an meine Studienzeit, als ich während der Semesterferien sechs Wochen als Pfleger in einem Krankenhaus arbeitete – da kam ich einmal in den EKG-Raum, und auf den Liegen dort lagen zwei junge, schöne Frauen mit entblößtem Oberkörper. Ich war Anfang 20, also eigentlich auf dem Höhepunkt meiner sexuellen Leistungsfähigkeit. Aber es tat sich: nichts. Ich war ernsthaft besorgt, ob denn meine Potenz flöten gegangen war, bis mir ein älterer Kollege erklärte, dass das ganz normal sei und sogar ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Arzt.

Die beiden Männer im Wartebereich meiner Praxis kannten solche professionelle Zurückhaltung nicht, wozu auch, und das Gespräch zwischen ihnen war so angeregt und lustig, dass ich es durch die geschlossene Tür bis zu meinem Schreibtisch hörte. Als ich hinausging, um die Patientin hereinzurufen, sah ich zunächst die lustige Runde – und dann den Grund dafür, dass den beiden Männern fast die Augen aus dem Kopf fielen: Die Frau beugte sich vor, um ihre Zeitung auf den Stapel zurückzulegen, und zeigte dabei mehr als offen, dass sie unter ihrem Minirock keinen Slip trug. Ich bemerkte das, aber, wie gesagt, als die Untersuchung begann, war das auch schon wieder vergessen. Die Patientin beklagte eine Allerweltserkrankung, eine der häufigsten Diagnosen in der urologischen Praxis überhaupt: eine Harnwegsinfektion. Und zwar, so sagte sie, sei sie seit fünf Wochen frisch verliebt, und nun das, das könne sie gerade überhaupt nicht brauchen.

Der Arzt denkt in einem solchen Fall an zwei Dinge: zunächst an den neuen Freund als Überträger der Infektion, sodass ich immer rate, er solle sich doch auch mal untersuchen lassen. Wenn die Erreger auf seinem Penis sitzen – und sie können das, ohne dass er etwas davon bemerkt –, dann steckt er seine Freundin bei jedem Geschlechtsverkehr von Neuem an. Der zweite mögliche Befund, der mir durch den Kopf schoss, war der mit dem fast schon romantischen Namen »Honeymoon-Zystitis«. Der lateinische Fachbegriff meint nichts anderes als »Entzündung« – so weit, so unsexy. Diese in Zusammenhang mit den Flitterwochen zu bringen hat mit der Neigung vieler Neuverheirateter und Frischverliebter zu tun, möglichst oft miteinander zu schlafen. Dadurch werden mit der Zeit die mehr oder weniger frei liegenden Schleimhäute im Schambereich der Frau gereizt, so wie ja auch die Augen rot werden, wenn man sie ständig reibt. Das einzig Schlimme an der Flitterwochenentzündung ist, dass die Turteltäubchen am besten für einige Zeit auf Sex verzichten sollten, bis sich da unten alles wieder beruhigt hat. Ich gebe zu, dass das eine schlimmere Strafe sein kann als die bitterste Medizin.

Nun wollte ich mir anschauen, was bei meiner Patientin denn los war. Ohne mir etwas anmerken zu lassen, bat ich sie, sich unten frei zu machen, und versuchte, möglichst überrascht zu schauen, als sie nur ihren Rock lüpfen musste. Sie nahm auf der Untersuchungsliege Platz und hob die Beine an. Was ich nun sah, hatte mit einer Entzündung allerdings nichts zu tun.


Die Schamlippen waren prall geschwollen, von einem fast schon dunklen Rot und eindeutig feucht – das war keine Entzündung, die Frau war erregt. Ich fragte sie, ob sie vielleicht gerade an ihren Freund denke. Das war ihr offensichtlich peinlich, wahrscheinlich nur zu vergleichen mit einem Mann, der im Schwimmbad unter der Badehose plötzlich eine Erektion bekommt. Nebenbei gesagt, bin ich in solchen Momenten immer froh, dass bei den Untersuchungen immer eine meiner Assistentinnen dabei ist, die im Ernstfall bezeugen könnte, dass ich nur meinen Job gemacht habe und sonst nichts.

Mit hochrotem Kopf fing sie an zu erzählen: Sie war mit ihrem Freund am Vormittag im Englischen Garten gewesen. Die Sonne schien und trug ebenso zur Ankurbelung der Hormonproduktion bei wie ihre Verliebtheit, jedenfalls: Der Freund wurde unwahrscheinlich scharf auf sie und schlug den Weg nach Hause ein. Dort angekommen, merkte die Frau aber, dass ihr gar nicht so recht nach Sex war. Das wollte der Mann nicht akzeptieren und meinte, er habe da was: ein ganz spezielles Gel.

Ich hatte gleich einen Verdacht, holte eine Tube aus meinem Medizinschrank und fragte die Patientin, ob das Gel ihres Freundes so ausgesehen habe, was sie bestätigte. Es war ein Testosterongel, das eingesetzt wird, wenn es Männern an diesem Hormon mangelt, was zu Libidoabnahme, Potenzstörungen, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Schweißausbrüchen führen kann. Außermedizinisch gibt es Leute, die damit zum Beispiel nach einem langen Flug den Jetlag bekämpfen oder die sich davon eine Verbesserung ihrer sexuellen Performance versprechen – bei Männern, wohlgemerkt: Sie verreiben das Gel auf dem Bauch, von wo das Hormon ins Blut sickert. Auf keinen Fall soll die Arznei direkt auf den Penis aufgetragen werden, aus gutem Grund.

Denn das Gel enthält Alkohol, unter anderem als Konservierungsmittel. Deshalb sollte es auch nur äußerlich angewendet werden, und äußerlich bedeutet auch: nicht auf Schleimhäuten. Der junge Mann aber hatte sein Wundermittel bei seiner Freundin direkt auf die Schamlippen aufgetragen, was nicht nur höllisch brennt, sondern auch die Durchblutung anregt – und deshalb schaute die Vagina der Frau aus, als sei sie hochgradig erregt. Dazu kommt, dass bei Frauen, so sie überhaupt Testosteron benötigen, schon viel geringere Mengen einen Effekt bewirken: Da reicht schon ein Zehntel der Menge, die ein Mann benötigen würde. Weil der feurige Liebhaber es aber offensichtlich gut gemeint hatte und nach dem Prinzip »Viel hilft viel« verfahren war, war die Reaktion bei seiner Freundin entsprechend heftig und würde wohl auch sehr viel länger anhalten. Nebenbei war er auch in finanziellem Sinn verschwenderisch mit dem Gel umgegangen – es ist nämlich ganz schön teuer, und wenn er es, was ich vermute, nicht legal vom Arzt verschrieben bekommen hat, dann hat er wahrscheinlich noch mehr dafür bezahlt als die rund 60 Euro, die eine Monatspackung in der Apotheke kostet.

Nun, da die Geschichte raus war, erklärte die Frau mir auch, warum sie keinen Slip trug: Er hatte an den gereizten Schamlippen gerieben und wehgetan – deshalb hatte sie ihn ausgezogen. Erleichtert war sie über meine Einschätzung, dass das von selber wieder weggehen würde und höchstens nicht zu warmes Duschen die Sache beschleunigen könnte.

Wenn sie das Wundermittel ihres Freundes wieder einmal testen wolle, so riet ich ihr, dann solle sie es doch in einer geringeren Menge auf den Bauch auftragen. Dann dauert’s zwar ein bisschen länger, bis es wirkt, dafür jedoch ohne Schmerzen.

Wir waren fertig. Draußen im Wartezimmer saß immer noch die Freundin, die beiden Männer hatten sich verzogen. Ich dachte bei mir: Vielleicht wäre es weniger enervierend, auf den Arzt zu warten, wenn man wüsste, was drinnen bei der Untersuchung oft für Geschichten erzählt werden.

Auszug aus:

"Was Sie besser nicht über Sex wissen sollten"

von Dr. med. Axel-Jürg Potempa
1. Auflage 2013, © 2013 by riva Verlag

 

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