Hodenkrebs
Geändert am: 08. Oktober 2014

Hodenkrebs früh erkennen mit Schwangerschaftstest?

Written by  menscore, Published in Hodenkrebs
Fachliche Beratung: Ärztliche Redaktion
 
Schwangerschaftstest positiv © rolafoto - Fotolia.com

Kann ein Schwangerschaftstest wirklich auch einen Hodenkrebs erkennen? Experten sagen, ja. Das Hormon, das bei Frauen während der Schwangerschaft erhöht ist, kann auch bei einem Krebsbefall des Hodens ansteigen.

Kürzlich machte die Meldung die Runde, dass ein Schwangerschaftstest, den ein junger Mann spaßeshalber gemacht hatte,  positiv ausgefallen war. In dem Forum, in dem er seinen „lustigen“ Befund gepostet hatte, wurde er mehrfach darauf gedrängt, sich auf Hodenkrebs untersuchen zu lassen. Das tat der junge Mann. Und: er hatte tatsächlich Hodenkrebs. Was klingt wie ein böses Erwachen, ist in Wirklichkeit großes Glück für den Patienten. Denn der Scherz hat ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. Durch ihn war der Tumor sehr früh entdeckt worden, und war deshalb restlos therapierbar.

Was genau geschah:

Der Mann war zunächst perplex, als er die zwei pink farbenen Streifen auf dem Schwangerschaftstest sah, den er gerade aus Spaß selber durchgeführt hatte. Die hatte eine Ex-Freundin in seinem Badezimmerschrank vergessen. Nach dem anfänglichen Schreck verbuchte der Mann auch das Ergebnis als spaßig und postete die Gegebenheit entsprechend im Blog „Reddit“. Innerhalb von drei Tagen gab es mehr als 1300 Kommentare darauf. Besorgte Leser seiner Geschichte rieten ihm eindringlich dazu, einen Arzt aufzusuchen, da das positive Testergebnis auf einen Hodenkrebs hindeuten könnte. Und tatsächlich, bei der ärztlichen Untersuchung wurde ein kleiner Knoten am rechten Hoden des gefunden.

Schwangerschaftstests weisen humanes Choriongonadotropin (Beta-hCG) nach, ein Hormon, das im Blut und im Urin vorkommt. Es wird normalerweise vom Mutterkuchen (Placenta) gebildet, und ist während der Schwangerschaft erhöht. „Es ist schon lange bekannt, dass auch eine Reihe von Hodentumoren genau dasselbe Hormon bilden“, sagt der Hamburger Urologe Dr. Tobias Pottek, Chefarzt der Urologie am Asklepios Westklinikum in Hamburg-Rissen. „Es gibt nur wenige Gewebe im Körper, die Beta-hCG bilden können. Bei Männern ist das allerdings nur Hodenkrebs, abgesehen von einigen Störfaktoren.“ Das Beta-hCG ist deshalb neben dem Alpha1-Fetoprotein und LDH einer der drei Marker für den Keimdrüsenkrebs des Mannes.


Gut heilbar

Laut dem Thread bei Reddit wurde der Tumor früh entdeckt. Dennoch wird man den rechten Hoden des Mannes chirurgisch entfernen müssen. „In der Regel muss der betroffene Hoden raus. Aber zum Glück ist dieser bösartige Krebs gut heilbar, vor allem, wenn er rechtzeitig entdeckt wird“, so Pottek.

Das erste Anzeichen für einen Hodenkrebs ist meist ein schmerzloser Knoten am Hoden, der für gewöhnlich vom Betroffenen selbst entdeckt wird. Deshalb raten Experten Männern, einmal im Monat selbst ihre Hoden auf Veränderungen abzutasten, am besten unter der Dusche oder in der Badewanne, da der Hodensack dann entspannt ist und die Hoden gut untersucht werden können.

Wenn die Diagnose Hodenkrebs feststeht, stellt das Beta-HCG einen guten Indikator für die Ansprechbarkeit des Tumors auf die Behandlung dar: Sinken die erhöhten Werte nach der Operation auf das Normalmaß, ist der Krebs ganz raus. Sind sie aber weiter erhöht, spricht das für verbliebene Krebszellen im Körper, und es muss zusätzlich eine Chemotherapie erfolgen.

Keine Schwangerschaftstests für Männer

Sollten Männer jetzt auch anfangen, Schwangerschaftstests zu machen, um einen Hodenkrebs zu entdecken? „Nein“, sagt der Hamburger Experte. „Da es etliche Tumore gibt, die kein HCG bilden, geht die Tastuntersuchung weiterhin vor. Nur etwa die Hälfte aller Hodentumoren hat messbare Marker im Blut“. Auch als zusätzliche Untersuchungsmethode für Zuhause sei der Test nicht sinnvoll. „Wenn ein Knoten im Hoden getastet wird, sollte umgehend eine urologische Untersuchung erfolgen. Hierbei wird neben dem Ultraschall auch eine Blutuntersuchung veranlasst, die auch das hCG misst. Die Untersuchung im Blut ist nochmal deutlich genauer als die im Urin“, sagt Pottek.

 
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