Fruchtbarkeit
Geändert am: 06. Juni 2016

Hodenschmerzen immer ein Notfall

Written by  menscore, Published in Fruchtbarkeit
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Hodenschmerzen immer ein Notfall Kaspars Grinvalds - Fotolia.com

Plötzliche, starke Hodenschmerzen sollten immer ernst genommen werden.  Denn in etwa 20 Prozent der Fälle ist eine Hodendrehung die Ursache, die die Blutzufuhr zum Hoden abschneidet. Wird nicht innerhalb weniger Stunden operiert, kann schon nach sechs bis acht Stunden Hodengewebe absterben. Langfristig führt das zu einem äußerlich beeinträchtigten Genital und verminderte Fruchtbarkeit.

 

Die Hoden produzieren männliche Geschlechtshormone wie Testosteron und ab der Pubertät auch Spermien. Diese – im Kindesalter oliven- und später pflaumengroßen Organe – sind in getrennten Fächern des Hodensackes untergebracht. 

„Dreht sich der Hoden um den Samenstrang, sprechen wir von einer Hodentorsion“, erläutert der Bremer Kinderchirurg Professor Christian Lorenz. Dabei wird der Blutzufluss zum betroffenen Hoden gedrosselt, was plötzlich einsetzende starke Schmerzen, Schwellung und Rötung eines, oder selten auch beider Hoden auslösen kann. „Hodengewebe ist sehr empfindlich“, betont Dr. Tobias Schuster, Chefarzt der Kinderchirurgie am Klinikum Augsburg. Ist die Blutzufuhr komplett unterbrochen, sterben die spermienproduzierenden Zellen nach spätestens sechs bis acht Stunden ab. Die hormonbildenden Zellen dagegen gehen nach etwa zwölf Stunden zugrunde. Wird nicht vorher operiert, droht der Verlust des betroffenen Hodens. 

Das Auftreten von Hodentorsionen ist nicht auf ein bestimmtes Lebensalter begrenzt; sowohl Jungen im Kindesalter als auch erwachsene Männer können betroffen sein, wobei 12- bis 18-Jährige besonders einen Großteil der Betroffenen ausmachen. Der Hauptgrund: die Hoden sind besonders locker befestigt und deshalb im Hodenfach sehr beweglich. Kinder, deren Hoden erst nach der Geburt in den Hodensack absteigt, haben sogar ein bis zu zehnfach erhöhtes Risiko für eine Hodendrehung. 

 

Diagnose der Hodentorsion

Zur Diagnosestellung untersucht der Arzt das gesamte Genital und seine Umgebung gründlich, u.a. mit Ultraschall und dem sogenannten Farbdoppler, wobei mit dem letzteren die Qualität der Durchblutung der Hoden überprüft werden kann. 

Diese Untersuchungen dienen auch dazu, andere Erkrankungen, die zwar ähnliche Beschwerden machen, aber andere Behandlungen erfordern,  auszuschließen. Solche Erkrankungen sind etwa eine Torsion von Anhangsgebilden an den Hoden oder Nebenhoden (sogenannte Hydatiden), Hodenentzündungen oder Hodentumore. 

 

Behandlung der Hodendrehung

Solange die Hodentorsion als Ursache für die Beschwerden nicht ausgeschlossen ist, und die geringste Wahrscheinlichkeit besteht, dass es sich um eine Hodendrehung mit Einschränkung der Blutversorgung handelt, wird das Beschwerdebild als Hodentorsion behandelt und notfallmäßig operiert. Bei der Operation wird der betroffene Hoden in seine ursprüngliche Lage zurück gedreht, um die Durchblutung des Hodens zu gewährleisten und somit den Hoden vor dem Absterben zu bewahren. 

Zusätzlich wird der Hoden während der OP mit zwei bis drei Nähten im Hodenfach befestigt (so genannte Orchidopexie), um Hodendrehungen in der Zukunft vorzubeugen. Experten empfehlen, die Orchidopexie auch für den nicht betroffenen Hoden auf der Gegenseite, um auch diesen vor möglichen Torsionen zu schützen. 

Ist bereits zu viel Gewebe zugrunde gegangen und der betroffene Hoden unwiederbringlich geschädigt, muss der Hoden entfernt werden. In diesen Fällen von Hodenverlust können Chirurgen bei Patienten mit abgeschlossenem Körperwachstum ein Implantat aus Kunststoff (Silikon), das aussieht und sich auch anfühlt wie ein Hoden, in das leere Hodenfach einsetzen. 

 

Besonderheit Kindesalter

„Im Kindes- und Jugendalter gibt es Besonderheiten gegenüber Erwachsenen, die Diagnose und Therapie erschweren“, erklärt Experte Lorenz. 

Dies liegt u.a. an den zwei Altersgipfeln der Hodendrehung bei jungen Patienten: Neben dem kleineren Häufigkeitsgipfel für die Hodentorsion im ersten Lebensjahr sind insbesondere Jungen zwischen dem 12. und 18. Geburtstag mit etwa 65 Prozent aller Ereignisse betroffen. Während sich die sehr kleinen Patienten noch nicht präzise äußern können, tun betroffene Jungen dies in der Pubertät oft aus Scham nicht – oder zu spät, so Lorenz. „Deshalb liegt die Drehung oft schon Stunden zurück, bis wir die Patienten zu sehen bekommen, und die Prognose folglich schlecht für den Hoden – trotz unverzüglich durchgeführter Operation.“ Deshalb sei ein akutes Skrotum immer ein Notfall mit höchster Dringlichkeit.

 

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