Blog
02. Dezember 2014

Sex dank Lyrik

Written by  K.J. Schindler, Published in Blog
 
Sex dank Lyrik © alexandre zveiger - Fotolia.com

Warum Männer so gern Dichter und Denker werden: Das ganze Geheimnis - enttarnt von unserem Berliner Gast-Dramatiker Karl Johannes Schindler.

Zu eines Mannes Grundausstattung
gehört sein Streben nach Begattung,
weil nämlich sonst die Arterhaltung
mitnichten käme zur Entfaltung.  

Wo Pflichten sind, da sind auch Wonnen,
das hat der Schöpfer so ersonnen
und schnell noch Frauen konstruiert,
damit das alles funktioniert.  

Die waren, steht im Buch zu lesen,
des Mannes Rippe mal gewesen.
Bis heute ist das anzusehen
manch dürrem Weib auf dünnen Zehen.  

Doch schien die Frau en gros gelungen
mit kühnem Strich und schön geschwungen:
„So gehet hin und wecket just
des braven Mannes Fleischeslust.“  

Und siehe, voll der schieren Gier
riss sich wie ein wildes Tier
sogleich das Mannsbild seine Beute:
des Himmels zarte, holde Bräute.  

Gott grauste es, und höchst pikiert
pflanzte er barsch ungeniert
hinter der Frauen sanfte Stirn
ein ganz spezielles Damenhirn.  

Das war im Großen etwas kleiner,
im Ganzen dafür etwas feiner
und machte, eh' der sich besann,
den Mann sehr gern zum Blödian.  

Einsamkeit und Ödnis drohten
hinfort hehren Vollidioten,
während sich die Sprachgewandten
gehäuft beim Beischlaf wiederfanden.  

Dabei entstanden große Werke
des Geistes als des Mannes Stärke:
Dichter, Denker, Philosophen
eroberten die Kammerzofen.  

Auch itzo wieder dichten viele
ganz besonders mit dem Ziele,
dass die umschwärmte Damenwelt
ihnen vor die Füße fällt.  

Facebook, SMS und Twitter:
Welch ein Renaissance-Gewitter!
Reimen, bis der Touchscreen brennt
und das Weib vor Freude flennt. 

„Ey gestern und den ganzen nacht
hab ich nur an dir gedacht
was hab ich was deim sven nich hat
dem hat nich mal nen herrnfarad.“

 
ANZEIGE